Die andere Gruppe geht wesentlich weiter. Sie will überhaupt
von jeder Golddeckung der Noten und des Papiergeldes absehen, und
will auch für die Auslandszahlungen nur teilweise einen geringen Goldvorrat
 reservieren, sondern auch den Auslandsverkehr großenteils durch
Devisen und Effekten erledigen. Man kann diese als Vertreter der
Papierwährung bezeichnen.
{ch will einige Vertreter der einzelnen Gruppen zu Worte
kommen lassen.

1 Ersetzung der reinen Goldwährung durch die Goldkernwährung
 (Heyn) 3.

Heyn geht davon aus, daß nach dem Kriege ein sehr bedeutender
Goldbedarf eintreten werde, wenn wir die Goldwährung beibehalten
wollten. Unter der Voraussetzung, daß der Parikurs unserer Valuta
wieder hergestellt sei, und daß die Verhältnisse des Geldbedarfes sich
wieder normal gestaltet hätten, nimmt er an, daß unser Goldbedarf
infolge der Steigerung der Preise nach dem Kriege größer sein werde
als vorher. Um aber den günstigsten Fall zu setzen, geht er davon aus,
daß die Verhältnisse nach dem Kriege denjenigen vor dem Kriege
glichen. Dann müßte die Reichsbank die aus dem Verkehr ihr zugeflossene
 Menge Gold, die auf 1570 Mill. M. zu schätzen sei, wieder
hergeben. Da sie außerdem für den Kriegsschatz und für den Bedarf
der neu anzugliedernden. Gebiete noch weitere 400 Mill hergeben müßte,
so blieben von dem auf 2469 Mill. angewachsenen Goldschatz der Reichsbank
 nur noch etwa 500 Mill. M. übrig; dies wäre aber nicht ausreichend
für die Aufrechterhaltung der Dritteldeckung der Noten, zumal die
Notenmenge wegen der neuangegliederten Gebiete sich noch vergrößern
müßte, so daß mindestens ein Goldschatz von 1000 Mill. M. notwendig
wäre; einbezüglich einer für Zeiten höchsten Bedarfs nötigen Reserve
von etwa 200 Mill. M. müßten also zu den 500 Mill. noch ca, 700 Mill. M.
neubeschafft werden.
Aber auch diese großen Opfer müßten gebracht werden, wenn wirklich
 die Aufrechterhaltung der Goldwährung eine Notwendigkeit wäre.
Dies bestreitet Heyn. Er meint, daß nach dem Kriege die Wahl zwischen
zwei Systemen offen stünde. Entweder: eine verhältnismäßig schwache
Goldwährung mit Goldumlauf, deren Herstellung also noch einen Aufwand
 von 500 Mill. M. erfordern würde. Oder: eine starke Goldkemn-1)

 Unser Geldwesen nach dem Kriege. Von Dr. Otto Heyn, Nürnberg.
Finanzwirtschaftliche Zeitfragen, hrsgeg. von Schanz und Wolf, 28. Heft.
Stuttgart, Ferd. Enke, 1916.