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jedes Deutschen hingestellt würde, auf die Verwendung von Gold in
freiem Verkehr so lange zu verzichten, als der Goldschatz der Reichsbank
 unter 2400 Mill. M. betrage, so würde niemand es wagen, sich
diesem ungeschriebenen Gesetz zu entziehen. Welchen Zwang die
öffentliche Meinung in dieser Beziehung ausübt, das haben wir ja eben
erst wieder bei den Goldsammlungen für die Reichsbank gesehen. Dem
Ausländer würde dieses ungeschriebene Gesetz nicht im Wege stehen,
er würde, wenn er die bei der Präsentation seines Wechsels oder bei
der Einziehung einer sonstigen Forderung zunächst erhaltenen Noten
zur Einlösung präsentierte, ohne weiteres Gold erhalten, wie ja auch
die Reichsbank zur Aufrechterhaltung des Parikurses unserer Mark
stets Gold abgeben soll. Damit aber wäre die Einlösung der Auslandsforderungen
 in Gold sichergestellt, Deutschland nach wie vor ein Land
mit effektiver Goldwährung, sein Kredit als solcher gerettet. Wir
würden also unser Ziel der Konzentrierung unseres Goldbesitzes ohne
irgendeinen anderen Nachteil als den Verzicht auf ein schönes und
sequemes Umlaufsmittel erreichen‘).
Wir brauchen uns kritisch nur mit dem ersten Vorschlag Heyns
zu befassen; denn der Gedanke, die Geldverfassung eines Landes von
der Auffassung der ‚Ehrenpflicht seitens der Volksgenossen abhängig
zu machen, ist unmöglich. In Geldsachen. hört bekanntlich die. Gemütlichkeit
 auf, und so können auch hier nur Streng gesetzliche Bestimmungen
 in Betracht kommen. Daher Jautet die Frage kritisch so:
Genügt ein Goldschatz der Reichsbank mit der oben angegebenen
Bestimmung, ohne Einlösungspflicht der Banknoten, um gute Währungszustände
 herbeizuführen? Es wird von den Chartalisten. immer wieder
auf die günstigen Erfahrungen hingewiesen, die man in Österreich-Ungarn
mit diesem Zustand der Währung, nämlich Papierumlauf im Inland
mit Goldreserve für den Auslandsverkehr, gemacht habe.
Die Entwicklung der österreichisch-ungarischen Valuta ist aber
unter diesem System keineswegs sehr günstig gewesen, Durch die
energischen währungspolitischen Maßnahmen der österreichisch-ungarischen
 Bank ist zwar erreicht worden, daß das Agio des Goldes, das
früher zeitweise eine Höhe von 6% oder 51% % erreichte, allmählich
verschwunden ist, aber die Devisenkurse waren zeitweilig noch ziemlich
hoch über der Parität, Z. B. im Krisenjahr 1007 die Devise London
fast 1% (0,97) über Parität. Ähnlich T911 infolge der schlechten Handelsbilanz
 und dann wieder 19012 und 1913 infolge der Balkankriege 2).

1) Ebenda S. 40-2)
 Vgl. Diehl, Zur Frage eines Zollbündnisses zwischen Deutschland und
Österreich-Ungarn. Jena 1915. S. 37.