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Auch die Wechselkurse auf Paris hatten während des größten Teiles
dieses Jahres, ebenso die auf Berlin wiederholt den theoretischen Goldpunkt
 überschritten, ‚Dasselbe Bild,“ sagt von Lumm2), „zeigte
sich verschärft im Herbst 191% unter der Einwirkung der internationalen
Geldverschiebungen aus Anlaß der Marokkofrage, als die Bank großen,
bisher noch nicht beobachteten Anstürmen auf ihr Devisenportefeuille
ausgesetzt war. Damals hatten in Wien die Wechselkurse auf London
das Münzpari um 0,79%, auf Paris sogar um 1,03% überschritten,
und zwar nach einer von der Österreichisch-ungarischen Bank am
21. September — ausgesprochenermaßen zum Schutze der Relationsparität
 — vorgenommenen Diskonterhöhung von 4 auf 5%. Ungeachtet
dieser Maßnahme hatte die Bank 100 Mill. K Devisen abgeben und
25 Mill. K Gold ins Ausland senden müssen. Unter dem Druck der
Verhältnisse hatte sie schließlich an die Finanzinstitute des Wiener
Platzes das Ersuchen gerichtet, ihr Devisen nur für den legitimen
Bedarf des Warenhandels und des Effektenmarktes, nicht aber zu
Zwecken der internationalen Arbitrage zu entziehen, da sie sich anderenfalls
 genötigt sähe, eine abermalige Erhöhung des Zinsfußes in Erwägung
zu ziehen. Die Österreichisch-ungarische Bank hatte also noch höhere
Wechselkurse, als sie in barzahlenden Ländern vorzukommen pflegen,
and Diskontschwankungen wie in solchen Ländern.“
Doch ich will einmal annehmen, daß die Erfahrungen wirklich
30 günstige gewesen seien, was ist damit bewiesen? Doch nur dieses:
än Land, das im Innern seine gesetzliche Goldwährung noch nicht
;treng durchführen konnte, hat im Interesse der Aufrechterhaltung
ler Valuta im Auslande durch eine Golddevisenpolitik Störungen dieser
Valuta, die sonst unvermeidlich gewesen wären, beseitigen wollen. Diese
ganze Politik der Auslandsreserve ist also eine Art Sicherheitsventil,
damit die aus dem Fehlen der Einlösungspflicht der Noten sich ergebenden
 Mißstände wenigstens im Verkehr mit dem Auslande nicht
hervortreten sollen. Heißt das aber, daß die Länder, die eine strenge
Goldwährung eingeführt haben, diese preisgeben und das österreichischungarische
 System annehmen sollen? Es ist doch besser, die Möglichkeit
solcher Mißstände schon zu unterdrücken.
„Es ist auch ganz etwas anderes‘ —sagt von Lumm ?) mit Recht —,
„ob ein Land von den Barzahlungen zum Zwangskurs übergeht, oder
ob es lediglich einen solchen in der Not der Zeiten geborenen Zustand

1) In seinem Aufsatz „Diskontpolitik‘“ im Bankarchiv vom ı. März 1912,
5. 162,
2%) Ebenda S. 166.