809

fiele, alles unverändert bliebe. Bei zunehmendem Bedarf könnte dann
auf Grund der Erfahrung die Menge des definitiv ausgegebenen
Geldes (etwa auf dem Wege des Rückkaufes oder der Einlösung von
Staatsanleihen) von Zeit zu Zeit erhöht werden‘‘?).
Diese ganze Analogie ist nur eine äußerliche und der Grundsatz
der Sicherheit der Währung bei dem vorgeschlagenen System keineswegs
 gewahrt; denn worauf läuft im Grunde genommen der Heynsche
Vorschlag hinaus? Auf nichts anderes als darauf, den Staatskredit zu
benutzen, um ein ungedecktes Papiergeld auszugeben. Es erinnert
an die alten Ideen Laws, mit Hilfe des Kredits Geld zu machen. —
Während also bei der Goldwährung diese Kreditmittel nur nach den
strengen Deckungsgrundsätzen der Reichsbank ausgegeben werden
können, sollen hier, sobald es der „Bedarf des Verkehrs‘“ erfordert,
neue Mengen an Zahlungsmitteln ohne jede Fundierung — also eine
Art schwebender Schulden — ausgegeben werden. Nichts anderes
kann der Satz bedeuten, daß bei „zunehmendem Bedarf“ die Menge
des „definitiv“ ausgegebenen Geldes, d. h. des Papiergeldes, vermehrt
werden soll. Gerade das, was Heyn als Vorzug dieser Geldbeschaffung
rühmt, daß „Schwierigkeiten der Beschaffung der erforderlichen Menge
an Umlaufsmitteln überhaupt nicht beständen‘“?), ist ihr Nachteil.
Wenn es dem Staat möglich ist, je nach dem „Verkehrsbedarf‘“ Geld zu
kreieren ohne stoffliche Unterlage, So liegt implicite in dieser ganzen
Geldschöpfung die Gefahr des Mißbrauchs und damit der Inflation,
Die Gefahr ist nicht, wie Heyn meint, nur dann vorhanden, wenn in
„Jeichtsinniger Weise‘‘ Kredit erteilt wird, sondern diese ganze Art der
Krediterteilung selbst ist schon eine leichtsinnige und muß zu Störungen
des Geldwertes führen. Nach Heyns Meinung soll diese Papierwährung
in bezug auf die Stabilität des Geldwertes noch Vorzüge haben gegenüber
der Goldwährung. Dies wird so begründet: Wenn bei der Goldwährung
die Geldmenge vermehrt werden muß, so muß neues Gold gekauft
werden, und je nach der Größe des Goldvorrates wird diese Beschaffung
schwieriger oder leichter sein. Das habe zur Folge, daß die Krediterteilung
 oft erschwert werde und ein hoher Diskontsatz eintreten müsse,
Alles nur, weil unter Umständen der Goldvorrat knapp ist. Wie anders,
meint Heyn, wenn wir bei der Krediterteilung an diesen Goldvorrat
gar nicht gebunden wären, dann käme es nur auf den „Bedarf der
Volkswirtschaft“ an. Gerade hierin hHiegt die Gefahr dieser Geldund
 Kreditbeschaffung ohne reale Grundlage. In dem Zwang, nur dann

A —— in

ı) Ebenda S. 789.
it) Ebenda S. 790.