i06 —

der besonders von den Produktionsbedingungen dieses Metalls abhängt,
 wird davon gar nicht berührt. Bendixen hat die merkwürdige
 Vorstellung, als ob die staatliche Gesetzgebung einen Goldwert
 und sogar einen stabilen Goldwert schaffen könne, Er beachtet
nicht, daß der Staat nur die ganz untergeordnete Funktion ausüben
 kann, einer bestimmten Gewichtsmenge Metall einen bestimmten
Namen zu geben. Wieviel Wert aber hinter diesem Geldnamen sich
verbirgt, hängt vom Wert des Metalls ab. Der Staat kann also nur den
Preis, nicht aber den Wert des Geldes fixieren: daher ist es auch eine
Utopie, wenn Bendixen meint, der Staat müsse ein wirklich wertbeständiges
 Geld schaffen, und wenn er meint, in seinen durch Warenwechsel
 gedeckten Noten ein solches Geld geschaffen zu haben. Ein
wertbeständiges Geld ist begrifflich ein Widerspruch an sich. Falsch
ist es auch in dieser Hinsicht, einen Unterschied zwischen dem Geld
als nationalem und internationalem Zahlungsmittel zu machen. Bendixen
 will das Gold nur noch als Zahlungsmittel für gewisse internationale
 Zahlungsdienste betrachten ; für den inneren Zahlungsverkehr
genügten Zahlungsmittel ohne eigenen Wert. Prinzipiell ist hier gar
kein Unterschied vorhanden. Auch für den inneren Verkehr muß —
privatwirtschaftlichen Wirtschaftsverkehr vorausgesetzt — ein Metallgeld
 oder ein anderes Geld mit Stoffwert vorhanden sein, da sonst die
Preisfixierung und Preisvergleichung nicht möglich wäre,
So wenig wie das qualitative Geldproblem ist das quantitative
Geldproblem dürch die Bendixensche Theorie gelöst, Wie soll der
Staat die Menge des auszugebenden Papiergeldes so bestimmen, daß
einerseits Geldüberfluß mit der Wirkung der Geldverschlechterung
(Inflation) und andererseits Geldknappheit, d. h. ein Mangel an Umlaufsmitteln,
 vermieden werden? Bendixen meint zwar, der Fehler
der älteren Papierwährungen sei gewesen, daß aus Finanzgründen die
Notenpresse zu stark in Tätigkeit gesetzt worden wäre und dadurch
die bekannten Übelstände der Papiergeldwirtschaft verursacht seien,
Anders, wenn die Geldschöpfung nicht als Finanzmaßregel, sondern in
systematischer Weise als staatliche Verwaltungstätigkeit betrieben
würde. Hier könne die Menge des Geldes sehr wohl in vernünftigen
Grenzen gehalten werden. Gerade das wichtigste Geld, die durch
Warenwechsel gedeckten Noten, entspreche dem Erfordernis: neues
Geld nur, soweit neue Waren in Umlauf kommen. Ganz abgesehen
davon, daß dieses automatische Verhältnis zwischen Notenmenge und
Warenmenge, wie ich oben schon zeigte, gar nicht. besteht, ist nicht zu
vergessen, daß immer nur ein Teil des Warenumsatzes auf diesem kreditmäßigen
 Wege vor sich geht, der andere Teil auf dem Wege des Bar-