III

Zeiten getroffen werden, auch für Friedenszeiten fordern zu wollen.
Dies geschieht aber — und in dieser Hinsicht ist Bendixens Schrift
typisch für viele kriegswirtschaftliche Schriften — mit Vorliebe dann,
wenn die kriegswirtschaftliche Organisation irgendwie.dem Ideal entspricht,
 welches der betreffende Verfasser von der Wirtschaftsorganisation
 auch für Friedenszeiten hat. Ebenso wie viele staatssozialistisch
gesinnte Nationalökonomen die verschiedenen gemeinwirtschaftlichen
Maßregeln der Kriegszeit zum Anlaß nehmen, solche Organisation auch
als vorbildlich für Friedenszeiten zu preisen, so weisen auch die Gegner
der Goldwährung auf den papierenen Zahlungsverkehr der Kriegswirtschaft
 hin als auf die auch für Friedenszeiten ideale Lösung der
Währungsfrage,
Zum Schluß möchte ich noch darauf hinweisen, daß es durchaus
falsch wäre, die Knappsche Geldtheorie mit den Bendixenschen
Anschauungen über Geldwesen zu identifizieren. Knapp ist Geldtheoretiker
 und keineswegs Währungspolitiker. Wehn also die Knappsche
 Theorie auf Bendixen einen großen Einfluß gehabt hat, so ist
;je doch inhaltlich von der Bendixenschen Lehre durchaus zu trennen.
Knapp hatte das Papiergeld logisch-theoretisch dem Metallgeld als
gleichwertig bezeichnet, Bendixen wollte das Papiergeld auch praktischwährungspolitisch
 dem Metallgeld gleichsetzen. Trotz seiner platonischen
 Liebe für stoffwertloses Geld hat Knapp wiederholt in seinem
Werke die Beibehaltung der Goldwährung empfohlen und nur als eine
ganz entfernte theoretische Zukunftsmöglichkeit eine Geldverfassung
ahne Bargeldumlauf angesehen?). Knapp behauptete als Geldtheoretiker,
 daß die Definition des Geldes soweit gefaßt werden müßte, daß
3je nicht nur das Metallgeld, sondern auch das Papiergeld umfasse.
Er ging von der Zahlungsmittelfunktion des Geldes aus und kam so
zu der Definition, daß das Geld chartales Zahlungsmittelsei,.d, h. unabhängig
 von_dem. Stoff, aus dem das Geld hergestellt würde. Un-„cifelIhaft
 hat Knapp durch seine Theorie manche Einseitigkeiten der
älteren metallistischen Geldlehre berichtigt; sobald aber das Geld
währungspolitisch betrachtet wird, darf man sich nicht auf eine be-‚stimmte
 Funktion des Geldes beschränken, sondern muß alle Funktionen
des Geldes in Betracht ziehen, die für die Rolle wichtig sind, die das.
Geld innerhalb einer bestimmten Wirtschaftsordnung leisten muß. Für
eine individualistische Wirtschaftsordnung halte ich aber ein Geld mit
Stoffwert für unbedingt notwendig, weil sonst die Funktion des Geldes
ale Preisfixierungs- und Wertvergleichungsmittel nicht erfüllt werden

1y Vgl. meine Kritik des Knapp schen Werkes, Bankarchiv, Jahrgang 1905/06.