133

„Alle Bestrebungen zur Wiederherstellung der Parität müssen davon
ausgehen, Angebot und Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln
zu regeln, Die Nachfrage muß durch Erschwerung des Imports beschränkt,
 das Angebot durch Steigerung des Exports erhöht werden.“
Wir könnten diese Art von Handelspolitik nur dann treiben, wenn
unsere Einfuhr in der Hauptsache aus Luxusartikeln und Fertigf{abrikaten
 bestünde; dann wäre es gewiß richtig, diese Art von Einfuhr
möglichst einzuschränken. Aber unsere Einfuhr weist ganz anderen
Charakter auf, sie ist ganz überwiegend Einfuhr von Rohstoffen und
Lebensmitteln. Wir hatten im Jahre 1913 eine Einfuhr von Rohstoffen
und halbfertigen Waren im Werte von etwa 61, Milliarden und von
Nahrungs- und Genußmitteln im Werte von rund 2% Milliarden; dagegen
 war unsere Ausfuhr besonders groß in fertigen Waren, nämlich
im Werte von 6% Milliarden, wogegen unsere Ausfuhr an Rohstoffen
und Nahrungs- und Genußmitteln verhältnismäßig gering ist, nämlich
zusammen nur 2% Milliarden umfaßt.
Da also unsere Einfuhr zu einem großen Teile Rohstoffe umfaßt,
die wir überhaupt in Deutschland nicht haben, wie z. B. Baumwolle,
Jute, Kupfer, die wir aber zur Weiterverarbeitung für unsere Industrie
dringend gebrauchen, so muß sogar diese Einfuhr noch stark gefördert
werden. Wird hierdurch auch die Valuta vorübergehend verschlechtert,
so gibt diese Einfuhr doch andererseits die einzige Möglichkeit, dauernd
die Valuta zu bessern und normal zu gestalten; denn diese Rohstoffe
werden von unserer Industrie zu Fertigfabrikaten verarbeitet, die einen
unendlich erhöhten Wert gegenüber den Rohstoffen darstellen. Indem
wir diese Fertigfabrikate ins Ausland exportieren, gewinnen wir endgültig
 die Zahlungsmittel, die wir zur dauernden Gesundung unserer
Handels- und Zahlungsbilanz gebrauchen. Außerdem gilt es vor allem,
die Fabrikation aller der Waren zu fördern, die wir mit einheimischen
Rohstoffen herstellen können oder wobei die Abhängigkeit vom Auslande
 keine so große ist, wie es z. B. bei der Eisenindustrie, der chemischen
 Industrie, der Porzellan-, Kohlen-, Maschinenindustrie usw.
der Fall ist. Wie groß ist z. B. der Wert des Eisens und der Eisenwaren,
die wir ins Ausland senden — 1013 im Wert von 124 Milliarden —
verglichen mit dem geringen Posten der Einfuhr von Eisenerzen aus
dem Auslande — 1913 im Werte von 223 Millionen —, und wie unbedeutend
 sind die Summen, die wir für solche aus dem Ausland zu
beziehenden Rohstoffe wie z. B. Chinarinde, Kokablätter, Rhabarber
usw. bezahlen, verglichen mit den Summen, die wir vom Auslande
für die Produkte unserer Arzneimittelindustrie erhalten. Die Werterhöhung
 der Rohstoffe, die der geistigen und körperlichen Arbeit der