Eine Erschwerung der an sich schon schwierigen Aufgabe, unsere
Valuta wieder in Ordnung zu bringen, würde es bedeuten, wenn wir
etwa versuchen wollten, gemeinsam mit Österreich-Ungarn die Wiederherstellung
 der Valuta vorzunehmen. Dies wäre aber die notwendige
Voraussetzung für alle die, welche ein Zollbündnis Deutschlands mit
Österreich-Ungarn anstreben. Ich hatte bereits in meiner Schrift „Zur
Frage eines Zollbündnisses zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn‘
 (Jena 1915) zu zeigen versucht, daß in der Verschiedenheit
der Währungsverhältnisse der beiden Länder ein Haupthindernis für
dieses Zollbündnis besteht. Österreich-Ungarn hatte schon in Friedenszeiten
 keine streng durchgeführte Goldwährung, weil keine gesetzliche
Einlösungspflicht für die Banknoten bestand, Es würde sich also für
Österreich-Ungarn nicht um eine Rückkehr zur Goldwährung wie bei
uns, sondern um die endgültige Einführung der Goldwährung handeln,
Da dies aber schon in Friedenszeiten mit den größten Schwierigkeiten
verbunden war, so müssen diese Schwierigkeiten nach dem Kriege
noch weit größere sein, und es hieße unser Reformwerk sehr erschweren,
wenn wir die Aufgabe übernehmen wollten, zugleich mit unserer Valuta
zuch die österreichisch-ungarische zu sanieren,
Richard Schwarz scheint!) die Schwierigkeiten eines derartigen
zemeinsamen Vorgehens zu unterschätzen. Ich bin ganz mit ihm in
Übereinstimmung, wenn er sagt: „Der ausländische Rohstoff ist somit
das Objekt, an dem die Produktion des Mehrwertes vorgenommen
wird‘“?), und wenn er meint, daß dieser Mehrwert der Wiederherstellung
ler Valuta dienstbar gemacht werden müsse, aber ob eine gemeinsame

Schrift „Zur Theorie der Steuern“ (Wien-Leipzig 1918): „In jüngster Zeit hören
wir ja so häufig, daß die Steuern auch den Zwecken der Besserung unserer Valuta
und der Hebung der Kaufkraft des Geldes dienstbar gemacht werden sollen. Auf
lie Hebung der Valuta soll, nach althergebrachter Anschauung, die Schätzung
des Staatskredites von entscheidendem Einflusse sein. Ein Staat mit im Inneren
yeordnetem Haushalte hätte bessere Devisenkurse als ein Staat zweifelhafter
Kreditfähigkeit. Der wissenschaftlichen Genauigkeit halber sei festgestellt, daß
ein Staat im Prinzipe trotz eines schauderhaften Defizitbudgets gute Devisenkurse
haben könnte. Die Devisenkurse hängen nämlich lediglich von Angebot und
Nachfrage nach heimischen Zahlungsmitteln ab. Hat ein Staat dem Ausland
gegenüber eine aktive Zahlungsbilanz, d. h. hat der Staat vom Auslande mehr zu
[ordern als an dasselbe zu bezahlen, so hängen die Wechselkurse mit nichten von
der Kreditwürdigkeit des Staates und der inneren Ordnung seines Haushaltes
ab. Ebenso kann ein Staat bei völlig aktivem Budget, aber passiver Zahlungsbilanz
 keine guten Wechselkurse haben“ (S. 8).
1) In seiner Schrift „Das Valutaproblem und die Rohstofffrage im Verhältnis
 zu „Mitteleuropa‘‘‘, 2. Aufl., Wien 1917.
2) Ebenda 5S. 21.