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Vorwort.
Knapp ein halbes Jahr nach Erscheinen des 1, Bandes des Bankgeschäftes
(Verkehrstechnik und Betriebseinrichtungen) konnte der 2. Band, die
Bankpolitik, herauskommen. Den Plan hierzu faßte ich allerdings bereits
vor einer Reihe von Jahren. Adolph Wagner, unter den Theoretikern
unzweifelhaft der beste Kenner des Bankwesens, hatte um die Jahrhundertwende,
 als ich Mitglied seines Seminars war, uns wiederholt für
zwei Arbeiten zu interessieren gesucht, die trotz ihrer Wichtigkeit bisher
keine Bearbeiter gefunden hatten: für eine Abhandlung über das amerikanische
 Notenbankwesen und für eine Arbeit, die die Politik der großen
Zentralnotenbanken und der Effektenbanken behandelt. Beide Arbeiten
reizten mich, der ich damals bereits mehrere Jahre in der Bankpraxis
gestanden hatte, ungemein. Mein „Notenbankwesen in den Vereinigten
Staaten von Amerika“ erschien bereits 1903. Diese Arbeit und einige
später erschienene Abhandlungen von anderen Seiten über das gleiche
Thema haben auch mehr oder weniger auf die amerikanische Bankgesetzgebung
 und die gewaltige Bankreform vom 23. Dezember 1913 eingewirkt,
Als Abschlagszahlung für das zweite Werk veröffentlichte ich im Jahre
1909 meine jetzt im Buchhandel fast vergriffene Arbeit „Banken und
Bankpolitik“, die das Notenbankwesen in Deutschland und in den wichtigsten
 anderen Ländern behandelte, die Fragen der Politik der großen
Kreditbanken aber nur ganz kurz streifte.
Erst jetzt, nachdem ich wieder einige Zeit in der Bankpraxis in leitender
 Stellung gestanden und somit Gelegenheit gehabt hatte, einige Theorien
 auf ihre praktische Durchführbarkeit hin zu prüfen, wagte ich mich
an die, wenn auch zum großen Teil aus der Praxis schöpfende, aber
immerhin eingehende Spezialstudien erfordernde Arbeit heran. Weder in
der deutschen noch in der ausländischen Literatur gibt es meines Wissens
ein Werk, das die Zusammenhänge im Bankwesen in dieser Weise darstellt,
Indem das Erscheinen des Werkes in eine Zeit fällt, in der der Reichsbankpräsident
 auf die privaten Banken einzuwirken sucht, daß sie im
Interesse der Liquidität unseres Bankwesens und der gesamten deutschen
Volkswirtschaft größere Barreserven als bisher halten, besitzen die in
meiner Arbeit behandelten, für die Volks- und Privatwirtschaft sehr wichtigen,
 teilweise aber etwas komplizierten Fragen ein großes aktuelles Interesse.
 Möge die Arbeit zur Klärung der Verhältnisse ihr Teil beitragen.
Leipzig, im Juli 1914.

Georg Obst,

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