1. TEIL.

Entstehen der Banktätigkeit
und Entwickelung der Girobanken.
[. Das Bankwesen im Altertum.

Zu welcher Zeit und in welchem Lande die Anfänge des Bankwesens
zu suchen sind, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen, Daß sie aber weit
hinter die Zeiten des klassischen Altertums zurückreichen, dafür besitzen
wir mehrere glaubwürdige Zeugnisse. Ackerbau und Viehzucht treibende
Völker benötigten Einrichtungen, die der Erleichterung des Geldverkehrs
lienten — denn diese Funktion übten die Banken in ihrer ersten Periode
aus — weit weniger als Völker, die im Handel Gewinn zu erzielen suchten,
Ums Jahr 2300 vor Chr. bereits sind bei den Chaldäern Handelsgesellschaften
 nachweisbar, die Darlehen gewährten und Zahlungsaufträge
vermittelten. Nach Ganelli soll‘ bei den Chinesen schon zwei Jahr-:ausende
 vor Chr., unter der Herrschaft des Hoang-ti, ein Scheckverkehr
»estanden haben.
Sicher ist jedenfalls, daß es am Euphrat, in Babylonien, wo der
weltgeschichtliche Ursprung des Geldwesens und der Geldwirtschaft zu
suchen ist, im 6. vorchristlichen Jahrhundert Bankiers gegeben hat, die
Gelder zur Verzinsung angenommen und Darlehen gegen. Schuldschein
oder Pfand gewährt haben, Im Interesse ihres Kunden traten sie öfters
als Zwischenkäufer auf, wobei meist die Hälfte des Kaufgeldes als Schuld
der Bank stehen blieb, bis der wahre Käufer bezahlt hatte. Vor allem
aber pflegten die babylonischen Bankhäuser den Zahlungsverkehr und zum
Teil auch schon das Aufbewahrungs-(Depot-)Geschäft. Eines sehr guten
Rufes erfreute sich besonders das Bankhaus der Egibi, dessen Tätigkeit,
wie aus einem aufgefundenen Tagebuch und Kundenabrechnungen hervorgeht,
 äußerst vielseitig gewesen sein muß.
Weit entwickelt war das Bankwesen in Hellas. Die Macht des Kapitals
erkannten zuerst die Priester. Die Tempel hatten große Einkünfte aus
dem Ertrag ihrer Grundstücke, aus dem Zehnten, aus Bußen und Geld-