Die Zeichnungen auf die Aktien des Unternehmens liefen aber äußerst
spärlich ein: 14 Tage nach Eröffnung der Subskription waren erst
2072 Aktien zu 250 Taler, also etwa eine halbe Million Taler auf das
projektierte Kapital von 25 Millionen Taler gezeichnet. Alle Bitten, zu
zeichnen, waren, ebenso wie die Drohungen Calzabigis, fruchtlos. Sie
vermehrten nur das Mißtrauen der Kaufleute und Gewerbetreibenden
gegen das Unternehmen. Auch die Atfklärungen, die im November 1764
den aus mehreren Provinzen deputierten Kaufleuten gegeben wurden,
)rachten keine Änderung der Ansichten,
Ein letzter Versuch wurde gemacht, indem am 16, Dezember 1764
eine Versammlung nach der Berliner Börse einberufen wurde, an der
Kaufleute aus Berlin, Breslau, Hirschberg, Stettin, Colberg, Magdeburg
und Halberstadt teilnahmen. Die Deputierten erklärten aber wiederum,
sie erblicken in einem Unternehmen, das so viele fremdartige Geschäfte
betreibe, eine Gefahr; der Kredit der Bank müsse bei einer so komplizierten
 Vereinigung von Bank- und Warengeschäften leiden, Vor allem
fürchteten sie wohl aber, daß die geplante Gesellschaft infolge ihrer auszedehnten
 Vorrechte den Privathandel in hohem Maße beeinträchtigen
werde. Um die Deputierten auch in dieser Beziehung zu beruhigen,
befahl der König sie zu einer Konferenz ins Schloß,
Als es trotz alledem nicht gelungen war, Zeichnungen von wenigstens
siner Million Taler zu erreichen, ließ der König das Calzabigische Projekt
fallen. Der Vorschlag der Kommission, anstatt der einen großen Unternehmung
 zahlreiche kleine Gesellschaften zu gründen, deren jede einen
besonderen Geschäftszweig kultivieren sollte, wurde im Januar 1765 anzenommen.
 Es entstand die Emdener Heringsfischereigesellschaft, die
Seehandlungs-Sozietät und, durch Edikt vom 17. Juni 1765, die „Kgl.
Giro- und Lehnbank in Berlin“, die nicht, wie Calzabigi vorgeschlagen,
Zettel- sondern Girobank wurde. Die Bank war reine Staatsbank. 8 Millionen.
 Taler sollte sie vom Staat als Grundkapital erhalten. Tatsächlich
wurden ihr jedoch nur 400000 Taler überwiesen. Dafür ging sie die
Verpflichtung ein, die Überschüsse an den Staat abzuführen und dem
Staat Rechnung zu legen.
Drei Geschäftszweige sollte die Bank betreiben: Giro-, Diskont- und
Lombardgeschäft, Diskont- und Lombardköntor bildeten zusammen die
Lehnbank.
Wie die Girobanken in Amsterdam und in Hamburg, so hatte auch
die Kgl. Giro- und Lehnbank ihr eigenes Bankgeld, ihre eigene Rech-23

