geliehen. Ein erheblicher Teil der Aktiva war also derart angelegt, daß
er bei einer Katastrophe nicht eingezogen werden konnte, während die
Passiva binnen weniger Tage fällig waren‘),
Was in einer kritischen Zeit kommen mußte, kam im Unglücksjahr
1806: Die Barbestände waren durch Einlösung von Bankobligationen,
Tresorscheinen und Banknoten bald erschöpft; die Depositen wurden
stürmisch zurückgefordert; die Mittel zur Rückzahlung aber fehlten. Nach
der Niederlage von Jena verließ der Minister Freiherr von Stein, der
leider zu spät zur Leitung des Instituts berufeh worden war, mit den
Geldern der Bank Berlin und brachte sie in Königsberg in Sicherheit.
Unter den Trümmern des preußischen Staates wurde auch die Königliche
Bank begraben.

3. Die Zeit von 1806—1845.

Ihren größten Verlust erlitt die Bank dadurch, daß die mit beispielloser
 Treulosigkeit handelnde warschauisch-sächsische Regierung, auf Grund
einer im Jahre 1808 mit Napoleon zu Bayonne abgeschlossenen Konvention,
 die in Süd- und Neu-Ostpreußen auf Hypotheken ausgeliehenen
Kapitalien mit Beschlag belegte. Wenn auch später die Konvention von
Bayonne aufgehoben worden war, so ergab sich trotzdem für das Institut
ein Verlust von fast 6 Millionen Talern. Da die Bank die erheblichen
Forderungen, die sie an den Staat und an Kommunen besaß, nicht eintreiben
 und die in ihrem Besitz befindlichen Effekten nicht veräußern
konnte, war sie auch nach dem Tilsiter Frieden nicht in der Lage,
Zinsen auf die Bankobligationen zu zahlen und die fälligen Obligationen
einzulösen.
In Zeiten der Not, wo eine Bank helfend eingreifen. sollte, versagte die
Königliche Bank vollkommen, In dem Zeitraum vom Tilsiter Frieden bis
1816 war sie hauptsächlich bestrebt, ihre Aktiva und Passiva zu liquidieren
 und dabei ihre traurige innere Lage dem Publikum zu verschleiern.
Wie erheblich die Verluste gewesen waren, ahnte damals wohl niemand. Seit
1816 hat die Bank wieder mit der Diskontierung kleiner Summen begonnen.

?) Am Schluß des Jahres 1805/06 setzten sich die Aktiva der Bank zusammen aus:
9,65 Mill. Taler bar und in Banknoten
13,5% » Hypotheken und hypothekarische Obligationen
[0.- kaufmännische Forderungen
Darlehen an die Königliche Schatulle
Diverse

5:29 ” ”
Summa 42,26 Mill. Taler.

)