das Privileg möglichst teuer zu verkaufen —, verlangten jetzt die Führer
der ungarischen Unabhängigkeitspartei ein selbständiges ungarisches
Noteninstitut. Politische Ursachen, nicht wirtschaftliche Interessen
waren die Beweggründe. Man forderte zunächst die Errichtung einer vollkommen
 selbständigen ungarischen Notenbank und verlangte später die
Schaffung von Kartellbanken in Wien und Budapest. Der Konflikt dauerte
über 1910 hinaus. Erst am 8. August 1911 trat das Gesetz, mit Rückwirkung
 vom I. Januar 1911 ab, in Kraft.
1915 wird vermutlich der alte Streit wieder aufgerollt werden.
Daß Ungarn bei einer Banktrennung schlecht fahren wird, unterliegt
keinem Zweifel: Österreich hat eine aktive, Ungarn eine passive Zahlungs-5ilanz.
 Ungarn ist vor allem auch in sehr großen Beträgen kurzfristig an
das Ausland verschuldet. Die Aufrechterhaltung der Wechselparität wird
Ungarn mit einem hohen Zinsfuß und weitgehenden Kreditbeschränkungen
bezahlen müssen. Ungarn findet jetzt in Österreich jeden berechtigten
Kredit, den es zur Entfaltung seiner Industrie und Landwirtschaft braucht,
weil keine Sorge hinsichtlich der Valuta, in der diese Kredite zurückbezahlt
 werden, aufkommt und die gemeinsame Bank eine Gewähr dafür
 bietet, daß nicht allzu leichtfertig mit dem österreichischen Geld in
Ungarn gewirtschaftet wird.
Aber auch für Österreich würde die Trennung der Bank große wirtschaftliche
 Nachteile zur Folge haben. Die beiden Länder sind nun einmal
 aufeinander angewiesen, vor allem so lange, als ein einheitliches
Zollgebiet besteht, und auch die Österreicher müssen alles vermeiden,
wodurch Ungarns Volkswirtschaft Schaden leidet. Im Interesse beider
Länder liegt also das Fortbestehen einer gemeinschaftlichen Notenbank.
 Das Kartellbankenprojekt ist für Österreich unannehmbar.
Sollen die Noten ohne Einschränkung in beiden Ländern zirkulieren, so
muß auch eine einheitliche, d. h. für Österreich und Ungarn gemeinsame
 Bankleitung bestehen. Da hohe wirtschaftliche Interessen auf dem
Spiele stehen, sollten einsichtige Leute in beiden Ländern alles daran
setzen, Schritte zu vermeiden, die keinem zum Vorteil sind, wohl aber
jedem der beiden Länder unabsehbaren Schaden bringen müssen.

Hl. Die Bank von England,
L. Aufkommen und Entwickelung der Banktätigkeit in England,
Die ersten Bankiers in England waren die Juden, die unter Wilhelm
lem Eroberer ins Land gekommen waren, Ihre Haupttätigkeit erstreckte
LIA