c) Depositen- und Giroverkehr,
Da die Notenemission der Russischen Reichsbank nur geringe Betriebsmittel
schafft und auch ihr Kapital verhältnismäßig klein ist, so sucht sie sich
Betriebsmittel durch Heranziehung fremder Gelder zu beschaffen. Eine
Anzahl staatlicher und kommunaler Institute sind genötigt, ihre disponiblen
 Gelder der Bank zu übergeben. Aber auch sonst nahm sie, im
Gegensatz zu den anderen Zentralnotenbanken, bis zum ı. August 1910
verzinsliche Depositen an.
Der Giroverkehr hat 1900 eine vollkommene Neuregelung erfahren,
Die Umschriften erfolgen jetzt größtenteils kostenfrei. Das Mindestguthaben
 muß 300 R betragen, erhöht sich aber entsprechend der mit
der Kontoführung: verknüpften Mühewaltung. Das Durchschnittsguthaben auf
Girokonto betrug 1913 152 Millionen R. Die Zahl der Girokontoinhaber
 ist auf mehr als 10000 angewachsen. Sie setzten 1913 rund
35 Milliarden R um.
1898 ist die ı. Abrechnungsstelle in Petersburg errichtet worden.
[914 ist die Zahl der Abrechnungsstellen in Rußland bereits auf 31
angewachsen.

d) Die Beziehungen der Bank zum Staate.
Da die russische Zentralnotenbank Staatsbank ist, so sind ihre Beziehungen
 zur Regierung derartig, daß man die Bank als eine Abteilung
des Finanzministeriums bezeichnen kann. Auf diese Weise geht der Öffentlichkeit
 jede Kontrolle verloren. Welche Gerüchte dadurch im In- und
Auslande entstehen können, hat die Bankverwaltung in den letzten Jahren
besonders deutlich erfahren müssen!). So ist z. B. die Höhe des Goldschatzes
 der Bank wiederholt angezweifelt worden; die „Times“ hat ihn
mit „Madame Humberts Kassenschrank“ verglichen, der, ebenso wie dieser,
ieer sei. Umgekehrt wurden Befürchtungen laut, daß weit mehr Noten
ausgegeben seien, als die Ausweise beziffern, Im allgemeinen dürften
diese Gerüchte auf Böswilligkeit beruht haben. Der der Bank prophezeite
Zusammenbruch ist auch in dem unglücklichen Kriege gegen Japan nicht

1) Im Jahre 1906 wurde von dem „Temps“ verbreitet, die Russische Reichsbank
 wolle sich mit Unterstützung des unter Führung des Bankhauses Mendelssohn
 &amp; Co, stehenden deutschen Russenkonsortiums in eine Aktiengesellschaft
umwandeln. Dies sollte geschehen, damit die Russische Regierung das in der
Bank investierte Kapital in ihre Hände bekomme, Sogar der Gouverneur der neuen
Bank, Graf Witte, war bereits genannt,

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