Adolph Wagner!) führte in der Enquete-Kommision gegen die Koningentierung
 an, daß sie zwar als Warnungssignal funktioniere, aber nicht
in. richtiger Weise: „Es verbreitet sich zu frühzeitig und zu stark eine
Ängstlichkeit, die darauf hinausläuft, nicht einmal unmittelbar die Spekulation
 zu dämpfen, das wäre gut, sondern auch normale Kreditgesuche
an die Reichsbank möglichst noch früher zu leiten, als es sonst geschähe,
Darin kann ich nichts günstiges sehen. Das Warnungssignal funktioniert
hier tatsächlich, aber unrichtig: es verfrüht und steigert gerade die betreffenden
 Kreditgesuche. Eben deswegen bin ich in meinen Auffassungen
immer zu dem Resultat gekommen, es wäre eigentlich das Richtigere, von
der ganzen Kontingentierung abzusehen. Dafür möchte ich mich auf die
Äußerung eines großen englischen Praktikers berufen, Lord Ashburtons,
der wörtlich einmal sagte, es sei eigentlich nichts absurder und anmaßender,
 als in solchen Dingen den menschlichen Verstand, durch einen Mechanismus
 zu ersetzen. Und das geschieht in England in der Peelsakte
and geschieht auch meines Erachteris bei uns im: deutschen Reichsbankgesetz.
 Wir müssen da der Bankverwaltung das Vertrauen gewähren, daß
sie ohne solche mechanische Vorschriften das Richtige tut.“
Freiherr von Gamp?) erklärte sich gegen die Notenkontingentierung,
und schlug vor, „den steuerfreien Notenumlauf von dem Deckungskoeffizienten
 in Gold dergestalt abhängig zu machen, daß der steuerfreie
Notenumlauf mit der zunehmenden prozentualen Steigerung der Golddeckung
 sich erweitert“,
Aus meiner Bankpraxis, wie aus meiner Lehrtätigkeit, die mich mit
Geschäftsleuten aller Branchen in Berührung brachte, habe ich die Überzeugung
 gewonnen, daß nur ein ganz verschwindend. kleiner Teil von
Kaufleuten und Industriellen der Notensteuer und der Tatsache, ob und
mit welchem Betrage die Reichsbank in der Notensteuer ist, Beachtung
schenkt. Die Mehrzahl der Kaufleute und Industriellen, die überhaupt
sinen Bankausweis lesen, betrachten die Notensteuer als eine interne Angelegenheit
 der Reichsbank und bekümmern sich nur um das Deckungsverhältnis,
 Diese Erfahrung wird auch der ehemalige Bankdirektor
Friedrich Thorwart?) gemacht haben, wenn er schreibt: „Wozu eine
Vorschrift bestehen lassen, von deren Wertlosigkeit gerade die berufensten
 Kreise überzeugt sind?“

') Siehe Bericht der Bank-Enquete. Berlin 1909. S, 47.
‘) Siehe Bericht der Bank-Enquete. Berlin 1909, S. 43.
* Frankfurter Zeitung vom 14. August 1907.