Die Filiale sei an die Instruktionen der Hauptbank gebunden, behandele
die Kunden nicht individuell, sondern schablonisiere. Der gleiche Einwand
wird übrigens häufig auch gegen die Depositenkassen der Großbanken
erhoben, die dem Kunden nicht die gleichen Vorteile wie ein Privatbankgeschäft
 bieten können. Hierauf ist beidemal das Gleiche zu erwidern:
Ist die Bank gut organisiert, und sind die Leiter der Filiale bezw. der
Depositenkasse erfahrene Kaufleute, so kann das untergeordnete‘ Organ
der Kundschaft die gleichen, oft sogar noch größere Vorteile bieten als
ein selbständiges kleines Institut.
Weiter wird es als ein Vorzug des dezentralisierten Notensystems angesehen,
 daß die Verbindung des Depositengeschäftes mit der Notenausgabe
 bei kleinen Zettelbanken näher liege, als bei Zentral- und
vollends Monopolbanken. Je schwieriger es für eine kleine Bank sei, ihren
Notenumlauf zu vermehren, desto mehr würde sie genötigt sein, das
Depositengeschäft zu pflegen. Die Notenausgabe werde immer mehr nur
das Komplement des Depositengeschäfts. Betrachten wir die englischen
Verhältnisse, so finden wir aber gerade das Umgekehrte: Bei den Provinzialnotenbanken
 ist der Notenumlauf stark zurückgegangen, die Summe
der Depositen hingegen sehr erheblich angewachsen. Treffend bemerkt
Jaffe1), daß das Depositengeschäft als Grundlage ein gewisses Maß von
Reichtum und Verkehrskonzentration bedinge, während das Notenbankwesen
 die gegebene Form der Kreditorganisation für ein noch in der
Entwickelung begriffenes oder armes Land sei. Der zunehmende Volksreichtum
 habe die Unterlage für ein ausgedehntes Depositenbankwesen
auch in der Provinz geschaffen und damit die Noten der Provinzial-Institute
 verdrängt,
Ein dezentralisiertes Notenbankwesen, so hat man weiter gesagt, biete
gegen unberechtigte Forderungen des Staates größeren Schutz als eine
Zentral- oder Monopolbank. Eine zu enge Verbindung von Bank und
Staat hat oft, dies lehrt die Geschichte der Notenbanken, zu übermäßiger
Notenemission und nicht bankmäßiger Deckung der Noten geführt, Aber
auch ein dezentralisiertes System schützt — man denke an Nordamerika
während des Bürgerkrieges — nicht unbedingt vor diesem Übel, „es
bietet nur eine Barriere mehr, die erst vor dem Einbrechen der Papiergeldflut
 in Staatskrisen niedergerissen sein muß“?2).

') a. a. O. S. 107,
2 Adolph Wagner, System der Zettelbankpolitik a. a. O. S, 631.

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