Zwei Gründe waren es, die den Sturz der ersten, hauptsächlich aber
den der zweiten Bank der Vereinigten Staaten bewirkt und den Gedanken
der Errichtung einer neuen Zentralbank nicht verwirklicht haben: Egoismus
 und Politik, Die nicht unbegründete Befürchtung, daß eine Zentralbank
 mit einem ausgedehnten Filialnetz ihnen große Konkurrenz bereiten,
 sie auf das Niveau einer einfachen „Zahlstelle“ herabdrücken
werde, bewirkte damals schon, daß die Banken den Präsidenten Jackson
im Kampfe gegen die zweite Nationalbank stark unterstützt haben !). Aus
dem gleichen Grunde erklärte noch in. neuerer Zeit die Mehrzahl der
Banken und Bankiers, wenn auf Bankiervereinigungen?) usw. in Referaten
und Diskussionen die Zentralbankfrage aufs Tapet gebracht wurde, den
Gegenstand als undiskutabel. Dieser, allen Beteiligten maßgebende, aber
sonst fast nie zum Ausdruck gekommene Grund der Bekämpfung einer
Zentralbank wurde auf dem Bankiertage in New Orleans von dem Kontrolleur
 der Umlaufsmittel Ridgely offen ausgesprochen. Er wies darauf
hin, wie das Geschäft der kleineren Banken bereits jetzt dadurch zu leiden
habe, daß die Trustgesellschaften und die aus der Verschmelzung kleinerer
Betriebe hervorgegangenen Verbände die Diskontierungen und anderen
bankgeschäftlichen Transaktionen für alle ihre «Glieder bei einer großen
Bank bewirken, während sie früher jeder einzelne Betrieb bei seiner
heimischen. Bank besorgte.
So war krasser Egoismus die Hauptursache, daß die Vereinigten
Staaten erst jetzt zur Zentralisierung der Notenausgabe übergegangen sind.
Die Bankfrage war, je länger je mehr, zu einer reinen Machtfrage geworden.
 Schätzen wir die Zahl der Banken in den Vereinigten Staaten
auf etwa 20000, und nehmen wir an, daß bei jeder Bank nur 8 Personen
 — Präsident, Direktoren und Großaktionäre — stark interessiert
sind, so sind es 160000 Personen, deren Interessen der Existenz einer
Zentralbank zuwiderlaufen.
Außer durch diese Gründe pekuniärer Art war das Fehlen einer Zentralbank
 zum Teil auch durch politische Verhältnisse bedingt: Die Interessen
 der einzelnen Staaten harmonieren nicht. Der Einheitsgedanke
ist in den Vereinigten Staaten nicht so scharf ausgeprägt, wie z. B. in

1) S, William Mathews Handy, Banking Systems of the World. Chicago 1902.
S, 14.
2) Vgl. Proceeding of the 28, Annual Convention of the American Bankers’
Association in New Orleans von 11.—13, November 1902. S. 64 ff.
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