in ihr Portefeuille gelangen, Auf Grund dieses Materials stellt sie nun
Stichproben an, um daraus Schlüsse auf die Natur der zum Angebot
kommenden Wechsel zu ziehen und zu sehen, welcher Art die an den
Londoner Geldmarkt tretenden Geldansprüche sind, Je nach dem Ergebnis
 dieser Prüfung erhöht sie den Diskont oder beläßt ihn auf seinem
Stande,
Scheint ihr eine scharfe Anziehung der Diskontschraube notwendig, so
sucht sie zunächst dem offenen Markt die Mittel durch Begebung großer
Posten Konsols und Schatzscheine — sie verkauft sie per Kasse und
kauft sie auf Termin zurück — zu entziehen. Sie zwingt damit alle
diejenigen, die Geld brauchen, sich an sie zu wenden und erreicht dann
meist, was sie will: eine starke Versteifung des Zinsfußes im offenen
Markte, Immer freilich gelingt ihr dies nicht, dann gerät sie mitunter in
eine kritische Lage, und ein Goldabfluß von einigen Millionen £ macht
nicht nur die englischen, sondern auch die ausländischen Finanzkreise
etwas nervös. Bei ihrer. Diskontpolitik muß die Bank sich oft durch
augenblickliche Verhältnisse bestimmen lassen, ‚und Veränderungen des
offiziellen Banksatzes sind bei ihr weit häufiger als bei anderen Zentralnotenbanken.
 Daß die Bank von England sich an ihren offiziellen Satz
überhaupt nicht gebunden hält, sondern teils darüber, teils darunter zu
den verschiedensten Sätzen diskontiert, hatten wir schon gesehen. Die
Deutsche Reichsbank, wie die Bank von Frankreich halten dagegen stets
an einem einheitlichen Diskontsatze fest.
Goldexporte erschwert das englische Zentralnoteninstitut, indem es die
Wechsel der in London domizilierten Auslandsbanken nicht diskontiert
und dadurch Finanzoperationen verhütet, die die Wechselkurse zu ungunsten
 Englands verschieben könnten. Der niedrigste Satz, zu dem die
Bank Barrengold abgibt, ist die Parität mit dem Sovereign, d. i 77 sh.
9 d. für die Unze von 1!l/„ Feinheit. Meist fordert sie aber 77 sh.
10 — 11 d. Auch der Tarif, zu dem Goldmünzen anderer Länder abgegeben
 werden, unterliegt häufigen Änderungen. Goldimporte fördert
die Bank durch Erhöhung des Ankaufspreises für Gold — in normalen
Zeiten beträgt er 77 sh. 9 d. für die Unze — und durch Aufnahme
von Goldanleihen.
Die Bank von Frankreich schützt ihre Goldbestände oft durch Erhebung
 einer „Prämie“: Wer größere Beträge entnimmt und mit der Zah-Jung
 in Noten der Bank oder silbernen 5-Franken-Stücken nicht einverstanden
 ist, muß eine zwischen 2 und 10% 00 steigende Prämie entrichten.
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