Die Wirkung dieser Prämie ist bis vor einigen Jahren nicht nur in Frankreich,
 sondern auch in Deutschland stark überschätzt worden. Helfferich,
Heyn, Rosendorff u. a. haben an Beispielen nachgewiesen, daß die Goldprämie
 allein nie imstande ist, den Goldexport und die dadurch notwendigen
 Diskonterhöhungen zu verhindern. Rosendorff?!) schreibt treffend:
„Entweder wird das benötigte Gold dem Verkehr entnommen und dadurch
 eine Lücke hervorgerufen, die die Zentralbank früher oder später
wieder ausfüllen muß, oder aber die Prämie überträgt sich auf die Wechselkurse,
 da die Kosten der Goldversendung nach dem Auslande sich um
den Betrag der Prämie erhöhen. In letzterem Falle muß sie also von
denen getragen werden, die Waren aus dem Auslande beziehen. Ihre
Wirkung ist mithin dieselbe, wie die einer Diskönterhöhung, d. h. sie
verteuert die Preise, ohne jedoch imstande zu sein, auch die günstigen
Wirkungen der Diskonterhöhung herbeizuführen.“ Ihren hohen Goldvorrat
verdankt die Bank weniger ihrer Prämienpolitik, als anderen Ursachen:
der geringen Entwickelung der Industrie, der Vorliebe der Franzosen für
Banknoten usw.
Sehen wir, wie die Bank von Frankreich selbst über ihr Prämiensystem
urteilt, Im Jahresbericht für 1896 heißt es: „...die Bank konnte, dank
unseres Währungssystems, das ihr gestattet, beliebig in Gold oder in Silber
zu zahlen, die Goldausgänge auf das für die legitimen Bedürfnisse des
internationalen Handels wirklich Notwendige reduzieren. Die defensive
Goldprämie hat wieder einmal ihre Wirksamkeit gezeigt und uns gestattet,
 den stabilsten und niedrigsten Diskontsatz der ganzen Welt aufrecht
 zu erhalten .....“ Zwei Jahre später schreibt die Bank: „...Im
Oktober 1898 trat eine heftige Steigerung der Wechselkurse ein, und wir
mußten daher zu dem einzigen Heilmittel greifen, zu dem in solchen
Fällen die Erfahrung rät, zur Diskonterhöhung. Diese hatte die erwartete
 Wirkung,“ Ähnlich äußert sich die Bank in ihrem Bericht
für 1907.
Die Prämienpolitik ist in Frankreich in der Tat nicht ein Ersatz, sondern
 eine Ergänzung der Diskontpolitik, Die Goldprämie ist mehr eine
Folge des niedrigen Zinses als seine Ursache, Weil der Zinssatz in
Frankreich so niedrig ist und das Kapital nach Ländern wandert, in
denen es sich höher verzinst, muß der Goldabfluß künstlich geschützt
werden.

!) Im Bank-Archiv 1908 S, 72: „Die neue Richtung in der Goldprämienpolitik
der Bank von Frankreich‘.

240