Um ein Einschmelzen von Doppelkronen möglichst zu verhüten, verkauft
 die Reichsbank auch Goldbarren und ausländische Goldmünzen, und
zur Befriedigung des industriellen Bedarfs seit November 1910 auch
Goldplättchen, die in bezug auf Form, Gewicht und Feingehalt den
20 Mark-Stücken entsprechen).
Besitzt die Zentralbank einen großen Devisenvorrat, so wird sie durch
planmäßiges Eingreifen auf den Stand der auswärtigen Wechselkurse einwirken.
 Sie wird durch starkes Angebot der Devisen oft imstande sein,
deren Kurs herabzudrücken, und es wird vorteilhafter sein, Wechsel und
Schecks anstatt Gold nach dem Auslande zu senden.
Einen großen Devisenvorrat besitzt die Österreichisch-ungarische Bank,
die Belgische Nationalbank und die Niederländische Bank, neuerdings
auch die Deutsche Reichsbank und die Bank von Frankreich. Nur dank
ihres großen Vorrates von Auslandswechseln ist es der Österreichisch-ungarischen
 Bank, obgleich deren Noten noch Zwangskurs besitzen, möglich
 gewesen, die Parität der Valuta aufrecht zu erhalten. Um starke
Valutaschwankungen der russischen Währung zu verhüten, hat die Firma
Mendelssohn &amp; Co. für Rechnung des russischen Finanzministeriums entsprechende
 Rubelkäufe, bezw. Rubelverkäufe vorgenommen.
Die Bank von Frankreich wendet als Präventivmittel neben der Diskontand
 Goldprämienpolitik die Devisenpolitik an. Nachdem sie bereits 1906
and in den folgenden Jahren große Posten Auslandswechsel gekauft hatte
— hauptsächlich um die Bank von England gegen die Goldabflüsse
nach Amerika zu schützen — wurde im Gesetz vom 22. Dezember 1911
der Erwerb von Wechseln, die von Frankreich aufs Ausland gezogen
sind, ausdrücklich gestattet.
Für Deutschland ist Vorbild hauptsächlich die Devisenpolitik der
Österreichisch-ungarischen Bank gewesen. Die Reichsbank selbst würdigt
 in ihrer Jubiläumsschrift den Wert der Devisenpolitik mit folgenden
Worten:

„Ein solcher Vorrat von Devisen ist zu Zeiten einer im Auslande beginnenden
Geldknappheit ein nicht zu unterschätzendes Schutzmittel gegen das Steigen der
Wechselkurse und gegen den Abfluß von Gold, in Zeiten wirtschaftlicher und politischer
 Krisen im Inland ein Mittel zur Heranziehung von Gold aus dem Auslande,
 Durch ihr Devisengeschäft kommt die Reichsbank nicht nur in die Lage,
zum Zwecke von Zahlungen nach dem Auslande Wechsel aus ihrem Portefeuille
ıbzugeben und so die preissteigernde, mitunter recht plötzlich auftretende Nachfrage
 am Markte selbst zu vermindern, sondern erforderlichen Falles auch eine
ı) S. Band I, S. 171. i