auch wenn sie hierbei Opfer bringen muß. In der Regel geht ja alle
Goldeinfuhr in ein Land durch die Hand der großen Zentralbanken,
weil diese die Umwandelung in landesgängige Münze billiger vermitteln,
als wenn der Kinführende sie direkt ausprägen ließe. Mittelpunkt des
Goldhandels ist London, wo die Adern des Weltverkehrs münden, wo
Waren- und Kapitalverkehr sich konzentrieren. In England enden viele
Dampferlinien, die Deutschland und Frankreich gar nicht berühren, und
weiter bildet London, verglichen mit den kontinentalen Plätzen, immer
den nächsten Direktionspunkt!). Diese dominierende Stellung Englands
zu beseitigen, ist Ziel der großen Zentralbanken der anderen Länder.
Fallen die Devisenkurse unter den unteren Goldpunkt, so wird dadurch
sin Goldimport verursacht. Durch entsprechende Diskontpolitik den. Devisenkurs
 künstlich herabzudrücken, ist ein Mittel, dessen Anwendung mit
Recht gescheut wird. Man muß daher versuchen, Gold auf andere Weise
ins Land zu bringen. Das hierbei am meisten angewandte Mittel ist die
Gewährung zinsfreier Vorschüsse für das auf dem Transport befindliche
Gold, Die Notenbank schreibt in solchem Falle dem Importeur, der ihr
mitteilt, daß er Gold in Barren oder in Münzen, im Auslande erworben
hat, den ungefähren Gegenwert gut, so daß er sofort darüber verfügen
kann. Dadurch wird indirekt der Ankaufspreis, dessen Höhe festgelegt
ist, etwas erhöht. Die im Jahre 1879 einigen Reichsbankanstalten erteilte
Ermächtigung, bei größerem Goldangebote zeitweise. mehr als 1392 M
für das Pfund zu zahlen, ist nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen
worden, da es sich zeigte, daß die Gewährung solcher erleichternden
Bedingungen für die Goldeinfuhr meist nur einen schnell vorübergehenäen
 Erfolg gehabt hatte?2).
Nach einem Mittel, die kostspieligen, recht unwirtschaftlichen internationalen
 Goldversendungen zu verhüten, sucht man seit langem. In seinem
Jahresbericht für 1908 befürwortet der amerikanische Schatzsekretär die
Einberufung einer Konferenz von Finanzministern und sonstigen hervorragenden
 Fachmännern, auf der die Einführung eines internationalen
Gold-Depositenscheines erörtert werden solle. Er meint, daß angesichts
 der Hebung des Nationalkredits der Kulturvölker in neuerer Zeit
und des verschärfteren Verantwortlichkeitsgefühls, das bei ihnen besteht,
sich der Ausführung der Idee keine besonderen Schwierigkeiten in den

‘) S. Friedrich Koch, Der Londoner Goldverkehr, Stuttgart 1905, S. 110
?) S. den Aufsatz des ehemaligen Reichsbankpräsidenten R. Koch in der
Deutschen Revue, Dezemberheft 1906,