4. TEIL.

Das Werden der großen deutschen
Kreditbanken.
[. Die Väter unserer Kreditbanken,
Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts, ja bis Anfang der 1870er
Jahre, kannte man in Deutschland fast nur Notenbanken. Die rasche Bevölkerungsvermehrung
 und der wachgewordene Unternehmungsgeist beschleunigten
 die industrielle Entwicklung und führten zu einer Steigerung
der Kapitalbedürfnisse, Da die Geschäfte riskanterer Natur waren und oft
eine Kapitalfestlegung für längere Zeit bedingten, war ein Bedürfnis für
[nstitute anderer Art, wie es die Notenbanken waren, und die den großen
Veränderungen des wirtschaftlichen Verkehrs Rechnung trugen, unbedingt
vorhanden. Industrie und Handel forderten neue Banken, die geeignet
und geneigt waren, ihnen zur Verstärkung ihres Betriebskapitals zeitweise
Vorschüsse zu gewähren,
Als Vater unserer modernen Kreditbanken gilt allgemein der im
Jahre 1852 von den Brüdern Pereire in Paris gegründete Credit Mobilier.
Diesem wieder hat in vielen Punkten zum Muster gedient die 30 Jahre
vorher, durch König Wilhelm der Niederlande in Brüssel, „pour favoriser
l’industrie nationale“, als Aktiengesellschaft errichtete Soci6&amp;t&amp; generale
des Pays-Bas. Ihre Geschichte ist an der Hand einer Schrift von
J. Malon!) ausführlich von R. Liefmann?) dargestellt worden. Sie ist
das vielseitigste Bank- und Effekteninstitut gewesen, das je existiert hat:
Von Anfang an war die Bank zur Notenausgabe ermächtigt; sie war
Kasse des Niederländischen und seit 1830 des Belgischen Staates; sie gab
kurz- und langfristige Obligationen aus, trieb Handel in Gold und Silber.

*) Notice historique sur la societ&amp; g&amp;nerale, 6tablie a Bruxelles (1823—1862).
Brüssel 1863.
3) Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaften, Jena 1913. 2. Aufl, S. 114,

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