hat sie sich kommanditarisch an mehreren Bankfirmen beteiligt, doch
auch diese Beteiligungen, zuletzt die bei der Firma Erttel, Freyberg &amp; Co.
in Leipzig, wieder aufgegeben.
Es würde zu weit führen, auf die Geschichte und Politik der anderen
zrößeren Institute einzugehen. Man hat sich gewöhnt, die genannten
Banken als Berliner Großbanken zu bezeichnen, und nur ihre Zweimonatsbilanzen
 werden detailliert in den Tageszeitungen veröffentlicht. Doch darf
man nicht übersehen, daß die Begriffe Großbanken und Mittelbanken
sich im Lauf der Jahre verschoben haben, und daß einige Großbanken
hinsichtlich Aktienkapital und Geschäftsumfang schon lange von sogenannten
 Mittelbanken in der Provinz überflügelt worden sind,

III. Verändertes Arbeitsfeld,
Wir haben in großen Zügen das Entstehen und die erste Entwickelung
der Berliner Großbanken betrachtet. Der Wirkungskreis, besonders der
in der ersten Epoche entstandenen Banken, hat sich wesentlich geändert,
indem mit der Entwickelung des Wirtschaftslebens immer neue Aufgaben
an die Banken herangetreten sind. Das Emissions- und Gründungsgeschäft,
 das, besonders in der ersten Epoche, meist die hauptsächlichste
Tätigkeit der Banken ist, wird zwar nach wie vor von allen Banken gepflegt,
 und seine Erträgnisse beeinflussen in hohem Maße die Gewinnergebnisse
 der betreffenden Institute. Daneben spielt aber heute die sonstige
 Kreditgewährung, die Zahlungsvermittelung und Kapitalverwaltung
sine ganz :andere Rolle als in den 50er, 60er und 70er Jahren,
Die Polıtik der Banken ist eine andere geworden. Eine Beschränkung
in Annahme der Depositengelder, wie es s. Z. der A. Schaaffhausensche
Bankverein getan hat, legt heute keine Bank sich mehr auf. Im Gegenteil!
 Ein, die Grenzen des Schicklichen‘ manchmal bereits übersteigender
Wettbewerb um Depositengelder, gefördert durch die Dezentralisation der
Banken, ist das Charakteristikum der Gegenwart.
Eine Stetigkeit der Formeln und Regeln auf den verschiedenen Wirtschaftsgebieten
 gıbt es nicht. Als Beispiel dafür, wie sehr die Begriffe
über zweckmäßige und gesicherte Geschäfte wechseln können, wies Roland-Lücke
 in der Bank-Enquete darauf hin, daß vor 40 und auch
noch vor 30 und 25 Jahren die Beleihung oder Bevorschussung eines See-Schiffskonnossements
 von den meisten damaligen Bankiers für eine recht
‚eichtsinnige Sache gehalten wurde, obgleich das Seeschiffskonnossement

|9 Obst, Bankpolitik.

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