über das durchaus berechtigte Gewinninteresse hinaus“ die Liquidität und
die Erhöhung der Liquidität für normale wie für anormale Zeiten im
Auge zu behalten. Wie das zu ermöglichen ist, darauf wird noch ausführlich
 zurückzukommen sein.

2. Gewinnquellen.
Die Arten der Bankgeschäfte sind im I. Bande ausführlich dargestellt.
Ebenso ist schon darauf hingewiesen, daß die Banken zur Erhöhung
ihrer Gewinne bestrebt sind, neue Verdienstmöglichkeiten aufzusuchen,
A. h. immer neue Geschäftszweige zu kultivieren. So haben die deutschen
Banken in neuester Zeit immer mehr und mehr ihrem Bankgeschäft,
nach österreichischem Muster, eine Warenabteilung angegliedert. In Österreich
 haben diese Warenabteilungen ihren Ursprung in der aus dem
Kapitalsmangel in Handel und Industrie Österreichs resultierenden Langsamkeit
 beim Bezahlen von Warenschulden!). Die Unternehmer, die den
Kredit einer Bank in Anspruch nehmen, geben dieser die Ware zum
kommissionsweisen Verkauf, und die Bank erhält gleichzeitig als weiteres
Äquivalent für das mit der Kreditgewährung verknüpfte Risiko die Verkaufsprovision.
 Hieran reihen sich dann mitunter noch weitere Geschäfte,
indem auch der Käufer der Ware häufig die Dienste der betreffenden
Bank in Anspruch nimmt und der Bank weitere Gewinne an Zinsen und
Provisionen (beim Devisenhandel, Diskontgeschäft, Akzeptkredit usw.) zufallen.

Wie die Gewinne der Banken sich auf die einzelnen Geschäftszweige
verteilen, ist nicht nachweisbar, da die Bankbilanzen nur wenig detaillierte
 Angaben enthalten, und diese mitunter auch erst wieder „frisiert“,
d. h. Ziffern sind, von denen Abschreibungen, Reservestellungen oder
Umbuchungen bereis vorgenommen sind, wie von mehreren Banken auch
ganz offen erklärt wird. So erwiderte in der Generalversammlung einer unserer
 größten Provinzialbanken die Direktion auf die Interpellation eines
Aktionärs, daß seiner Meinung die bekanntgegebenen Abschreibungen
nicht genügen: „Aus den sehr hohen Debitoren gehe doch wohl zur
Genüge hervor, daß die Bank mehr verdient habe, als ausgewiesen
 sei, und daß infolgedessen entsprechende stille Reserven gestellt
 sind.“ Aber auch selbst. wenn die Ziffern in ihrer Reinheit angegeben
 wären, so würden sie doch nicht unbedingt zuverlässig sein, da

1) S, Karl Morawitz, a. a O.S, 16,