Da der Aktienkurs!) gewissermaßen ein Maßstab des Vertrauens ist,
das einer Bank entgegengebracht wird, so wird jede Bankleitung, die in
irgendeiner Weise Kredit in Anspruch. nimmt, es möglichst zu verhüten
suchen, daß ihre Aktien unter pari gehen. Um dies zu erreichen, wird
sie bestrebt sein, mindestens 5° Dividende zu verteilen, und um hierzu
 auch in schlechten Jahren in der Lage zu sein, wird sie eben in
guten Jahren sich Reserven hierfür schaffen.
Besitzt eine Bank solche Dividenden-Reserven nicht, bezw. sind sie
bereits aufgezehrt, und kann daher nur eine geringe oder überhaupt
keine Dividende verteilt werden, so sucht sie den Kurs ihrer Aktien
durch Interventionskäufe zu stützen, Vermögende Direktoren und Aufsichtsräte
 kaufen mitunter wohl auch einen Posten Aktien für sich. Meist
aber wird ein aus Direktoren und Aufsichtsräten bestehendes Interventions-Konsortium
 gebildet, Die Bank oder befreundete Institute regulieren durch
Aufnahme und Abgabe von Aktien den Kurs'und verhindern auf diese
Weise ein erhebliches Sinken. Wenn die Aktionäre sehen, daß trotz der
ungünstigen Dividende ein Kursrückgang nicht stattfindet, so behalten
sie in der Mehrzahl dann auch, im Vertrauen auf künftige, bessere
Zeiten, die Aktien.
Solche Kursregulierungen erfolgen auch von einer großen ‘Anzahl

1) Der Börsenkurs wertet das Aktienkapital, offene und stille Reserven,
die Firma und die Verdienstmöglichkeiten unter Berücksichtigung der allgemeinen
Zeitverhältnisse, Der Bilanzkurs ergibt sich aus dem Kapital und dem prozeniualen
 Verhältnis der offenen Reserven; er ist also z. B. bei einem Grundkapital
 von 1000000 M und einer offenen Reserve von 200000 M 120%. Ein
Zusammenhang zwischen dem Bilanzkurs und dem, bei guten Gesellschaften fast
regelmäßig höheren Börsenkurs wird sich infolge der zahlreichen unbekannten,
bezw. unberechenbaren Momente niemals konstruieren lassen. Diese, dem jüngsten
Bankkommis bekannte Tatsache bedarf erst wirklich keiner „wissenschaftlichen“
Feststellung.
Richard Calwer hat (im Maiheft 1910 der „Konjunktur“) einige interessante,
praktisch aber wertlose Berechnungen. des Liquidations-Kurswertes, wie er sich
aus der Bilanz ergibt, angestellt, Hiernach würden z. B, bei einer Liquidation der
Bergwerksgesellschaft Consolidation zu Gelsenkirchen auf Grund der Bilanz, bei
Realisierung aller Konten, auf die Aktionäre 20118000 M entfallen, während sich
nach dem Börsenkurs 62200000 M ergeben müßten. Es ergibt sich also ein
Bilanzkurs von 125.80°%,, gegenüber einem Börsenkurs von 388.75 °%-Selbst
 wenn es möglich wäre, den inneren Wert einer Unternehmung rechnerisch
 zu erfassen, so würde der sich hiernach ergebende Kurs doch nicht mit dem
Börsenkurs übereinstimmen,

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