Durch eine gute Organisation und durch erfahrene und gewissenhafte
Revisoren werden Defraudationen, wenn auch nicht unmöglich gemacht,
so doch in sehr hohem Maße erschwert, und die Banken haben die
Pflicht, das Risiko, daß Verluste durch ein nicht ganz sicheres Funktionieren
 der Kontrollen ‚entstehen, auf ein Mindestmaß zu bringen.
Wie die deutschen Bankiers und Bankdirektoren, so genießt auch der
Bankbeamtenstand in seiner Gesamtheit mit Recht großes Vertrauen, und
solche betrübende Vorfälle bedauert niemand mehr als die Bankbeamtenschaft
 selbst. Ganz unbillig ist es daher, wegen derartiger Unterschlagungen
den ganzen Stand als solchen anzugreifen. Da nach der Zählung von
1907 die Zahl der im Bankgewerbe Beschäftigten 66275 (darunter 3089
weibliche) Personen betrug, so ist der Prozentsatz der Verfehlungen demgegenüber
 immerhin gering zu nennen, .
c) Beamtenspekulationen. ®
Defraudationen stehen oft im Zusammenhang mit Börsenspekulationen,
und es ist schwer zu sagen, ob der Hang zum ausschweifenden, Juxuriösen
 Leben oder der Reiz der Börse die primäre Ursache der Unter-Schlagungen
 gewesen ist. Jedenfalls sind die Bankdirektionen bemüht, die
Börsengeschäfte der Bankbeamten nach Möglichkeit einzudämmen.
Es ist sehr naheliegend, daß Beamte, die Tag für Tag sehen, wie
die Kundschaft Spekulationsgeschäfte macht, den Wunsch hegen, die
„Tips“, die in den Bureaus und an der Börse gegeben werden, auch einmal
 für sich auszunutzen. Wehe aber dem armen Beamten, dessen erste
Spekulationsgeschäfte glücklich verlaufen! Wer auf dem schlüpfrigen
Parkett der Börse Erfolge gehabt hat, wird, das ist psychologisch erklärlich,
 öfter Effektengeschäfte machen, als es nach seinen Vermögensverhältnissen
 statthaft ist und sich mit seiner anstrengenden Berufstätigkeit
 verträgt.
Wenn Beamte, die die Kundschaft bei ihren Effektengeschäften gewissenhaft
 beraten sollen — besonders auch die Vorsteher und Effektenkassierer
 der Depositenkassen und die Börsenvertreter — persönlich stark an
der Börse engagiert sind, so besteht außerdem die Gefahr einer Interessenkollision.
 Die Beamten „kaufen vor“, und empfehlen dann später der
Kundschaft die Effekten zum Ankauf, in der Erwartung, sie dabei zu
höherem Kurse losschlagen zu können. Solche Fälle sind vorgekommen
ınd werden sich auch in Zukunft nicht gänzlich beseitigen lassen.
Das Radikalmittel, den Beamten überhaupt zu verbieten, Effektenge-23220
