In kritischen Zeiten brauchten die Banken, die diese Politik befolgten,
nicht so schroff in der Rückziehung der Kredite, die ein Unternehmen
schwer schädigen können, vorgehen, Dies haben ihnen die Kunden gedankt
und haben ihnen befreundete Firmen, die über allzu schroffes Vorgehen
ihrer Bankverbindung verärgert waren, zugeführt. Wenn andere Institute
„voll“ waren und unter keinen Umständen neue Kredit-Engagements
eingehen konnten, konnten die Banken, die sich vorher starker Zurückhaltung
 befleißigt hatten, einspringen. Das „Nein sagen“, das Ausschlagen
guter Geschäfte im Interesse einer großzügigen Kreditpolitik ist schwer,
trägt aber, wie angedeutet, oft reiche Früchte.
Der scharfe Konkurrenzkampf der Banken um die Kundschaft hat
oftmals zu Kreditüberspannungen geführt. Schwere Fehler in der Kreditgewährung,
 teilweise beruhend auf der Unerfahrenheit der Direktoren
und Beamten, sind vielfach die wesentliche Ursache von Bankbrüchen
gewesen. Es sind Mittel gewährt worden, die in keinem Verhältnis zum
eigenen Kapital des Kreditnehmers standen, und die auch vor allem in
Hinblick auf die Verwendung nicht hätten gewährt werden dürfen. Doch
handelt es sich hierbei im allgemeinen mehr um industrielle Kredite,
und auf diese wird in dem Abschnitt „Banken und Industrie“ näher einzugehen
 sein.

3, Die Bank braucht Vertrauen.

a) Charakter der fremden Gelder.
Wir haben bereits (s. Band I, S. 314f£) gesehen, daß eine zielbewußte
Pflege des Depositengeschäftes in Deutschland erst auf die Initiative der
Deutschen Bank zurückzuführen ist, und daß dieser Verkehr nachher
von allen Banken gepflegt, bereits in kurzer Zeit eine große Entwicklung
zenommen hat. Die vielgeschmähten Theoretiker haben die Bedeutung
der Depositengelder für die Banken weit eher als die Praktiker erkannt.
Adolph Wagner betonte bereits in seinen „Beiträgen zur Lehre von
den Banken“1), daß die‘ volkswirtschaftliche Bedeutung einer Bank nicht
auf der Notenausgabe beruhe, sondern auf der Fähigkeit. Depositengelder
 an sich zu ziehen.
Was sind Depositengelder? Da in Deutschland häufig nicht nur die
Gelder, die der Engländer als „deposit accounts“ sondern auch diejenigen,
die er als „current accounts“ bezeichnet, unter dem Namen „Depositen“

1) Leipzig 1857.