5ffentlichen werden, der sich mit dem oder jenen schlecht abgelaufenen Geschäft
 oder einer unglücklichen Gründung befaßt. Ist die Bank weiter hartnäckig,
 so bringen sie sogar den Artikel, verdrehen oft die Tatsachen und
zreifen dabei die Bank heftig an. Obgleich Abonnenten so gut wie gar nicht
vorhanden sind, erscheint die Nummer, die den Schmähartikel enthält, in
zroßer Auflage und wird als „Propagandaheft“ in zahlreichen Exemplaren
an Kunden der Bank versandt und ev. vor dem Börsengebäude verteilt.
Um alle dem aus dem Wege zu gehen, wird — „aus Bequemlichkeit“,
wie in einem Prozesse ein Bankdirektor sich einmal ausdrückte — eine
teure Annonce gegeben, mitunter allerdings mit der Vereinbarung, daß
sämtliche Exemplare, in denen die Annonce abgedruckt ist, der Bank
ausgeliefert werden, oder daß die Annonce überhaupt nicht im Druck
erscheint. Nach außen hin will man eben mit dem betr. Blatt nicht in
Verbindung gebracht werden. Ein ganz Teil solcher Blätter ist dank der
Bemühungen der Handelspresse eingegangen. Wieviel solcher Wegelagerer
heute noch im Verborgenen arbeiten, entzieht sich meiner Kenntnis. Die
Handels- und Finanzpresse selbst ist nach Kräften bemüht, derartige
Schäden aufzudecken und zu beseitigen.
Hat sich ein Unternehmen als morsch erwiesen, so ist, besonders in
kritischen Zeiten, das Publikum oft zu Verallgemeinerungen geneigt, und
das Vertrauen auch zu anderen Firmen schwindet, Um solches Mißtrauen
 nicht aufkommen zu lassen, sind die Banken und Bankfirmen des
Platzes meist bereit, eine in Not geratene Firma durch Moratorien und
Vorschüsse zu stützen, sofern sie glauben, dadurch, sei es auch mit großen
Geldopfern, das Unternehmen halten zu können. Für diese Solidaritäts-Politik
 ist bei Banken oft auch die Befürchtung bestimmend, es könnten
durch derartige Zusammenbrüche seitens der gesetzgebenden Körperschaften
 Maßregeln veranlaßt werden, wie z, B. ein Depositengesetz, das
das ganze Gewerbe sehr schädigen könne.
Eine schwere Verantwortung für die Banken ist es, zu prüfen, ob ein
Haus, das in Bedrängnis geraten ist und auf schwachen Füßen steht,
zehalten werden kann, oder ob trotz der voraussichtlichen Folgen es
nicht besser ist, kein gutes Geld dem schlechten nachzuwerfen und die
Firma ruhig in Konkurs gehen zu lassen, Schinkel erzählte bei der
Bankenquete!), daß die Hamburger Banken im Herbst 1907 vor einer
solchen verantwortungsvollen Frage gestanden hätten, als sie die Verhält-1!)

 a, a, O0. S, 60,

352