Akzepte nur mit 1, des Betrages einstellen will, urteilt entschieden zu
optimistisch. Selbst in normalen Zeiten geht nur für einen kleinen Prozentsatz
 der Akzepte Bardeckung ein, und die Bezahlung der überwiegenden
Mehrheit der Akzepte erfolgt durch Prolongation; in kritischen Zeiten wird
dieser Prozentsatz noch erheblich geringer werden. Da nach roher Schätzung
in kritischen Zeiten die Bank 80—85°% ihrer Akzepte selbst decken
müßte, so kann man, in Kompensation mit einigen zu hoch bemessenen
liquiden Mitteln, eine Einstellung mit dem vollen Betrage durchaus gerechtfertigt
 halten.
Als die liquideste Anlage nächst der Kasse gelten die Wechselbestände.
 Wer aber einmal einen näheren Einblick in ein Wechselportefeuille
 einer Bank genommen hat, weiß, daß hierin sich ein, bei den
einzelnen Banken natürlich sehr schwankender, im Durchschnitt doch
aber sicherlich nicht unerheblicher Prozentsatz Wechsel befindet, mit deren
Eingang bei Verfall niemand rechnet. Sie Yıaben ihren "Ursprung nicht
in Handelsgeschäften, sondern in Kreditoperationen, werden dauernd prolongiert
 und bald bei dieser, bald bei jener Bank rediskontiert, öfter
auch bis zum Verfall im Portefeuille liegen gelassen. "Teilweise sind sie
auch gar nicht zur Weitergabe bestimmt, sondern sie sind nur zur
größeren Sicherheit gegeben; oder aber eine Kontokorrentschuld ist in
eine Wechselschuld umgewandelt worden, um die Bilanz zu verschönern,
denn durch Diskontierung des Wechsels hat sich das Debitoren-Konto um
den Erlös des Wechsels verringert, und — ein Wechselbestand gilt ja
als eine liquidere Anlage als das Debitoren-Konto.
Daß die Kassenbestände verschiedentlich doppelt und dreifach gezählt
 werden, war bereits erwähnt worden. Indem jetzt die Girobestände
der Reichsbank gesondert aufgeführt werden, ist eine Besserung in dieser
Beziehung eingetreten. Die Bankguthaben wird man mit vollem Betrage
einstellen können, sofern es sich nicht um Guthaben bei einer eng lierten
Mutter- oder Tochterbank handelt — was aus der Bilanz natürlich nicht
ersichtlich ist —, die eo ipso in Mitleidenschaft gezogen werden muß,
Hinsichtlich der Beurteilung der Liquidität der Effekten gehen die
Ansichten auseinander. Ich bin, ebenso wie übrigens auch Rießer, der
Ansicht, daß es viel zu optimistisch ist, zu den liquiden Aktiven alle
Effekten zu zählen. Am nächsten wird man der Wirklichkeit kommen,
wenn man, wie der Deutsche Ökonomist, als liquide nur diejenigen
Effekten rechnet, die bei der Reichsbank beleihungsfähig sind. Auch sie
werden, wenn sie in großen Posten an den Markt kommen, nur mit
267