der mir vor einer Reihe von Jahren mitgeteilt wurde: Eine Bank suchte
den Saldo ihres Konsortial-Kontos dadurch herabzumindern, daß sie
sich von einem Mitkonsortialen, einer Privatfirma, am 31. Dezember
ı Million M zahlen ließ. Das war ihr gutes Recht. Die Zahlung erfolgte
aber nicht in bar, sondern in einem Scheck auf die Reichsbank, und
die Hauptkasse erhielt die Anweisung, den Scheck erst am 2. Januar
zur Zahlung vorzulegen. Am 2. Januar erhielt die Kasse die Anweisung,
zu Lasten Konsortial-Konto an die erwähnte Privatfirma ı Million M
zu zahlen, und zwar sollte, der Einfacheit halber, der Tags zuvor gelieferte
 Scheck in Zahlung gegeben werden. Auf diese Weise erschien am
Bilanztage das Konsortial-Konto der Bank um ı Million M niedriger,
der Kassenbestand um ı Milion M höher, als er tatsächlich war.
Ein Bilanz-Aufputz ist, teilweise sicher in noch höherem Maße wie
bei uns, auch in anderen Ländern üblich. Jaffel) berichtet, daß die
Abschlüsse der englischen Banken nicht den tatsächlichen Status angeben,
 sondern die Verhältnisse günstiger darstellen, als sie tatsächlich.
sind. Dies geschieht vermittelst des sogenannten „Window dressing“
(Schaufenster ausputzen), das darin besteht, daß ein großer Teil der
Banken — einige der größten gehören zu den ärgsten Sündern — am
Ende eines jeden Monats, und besonders eines jeden Halbjahrs, erhebliche:
Summen dem Markte entziehen, um in ihren Ausweisen den Posten
„cash in hand etc.“ möglichst hoch erscheinen zu lassen. Diese Praxis.
wird heute auch ganz offen zugestanden, und regelmäßig ist zu gewissen.
Zeiten in den Berichten über den Geldmarkt zu lesen: „The market.
was short of fonds thro’ the big bank withdrawing large sums prior to
publishing their balance,“
von Lumm berichtet in einer älteren Schrift?), daß auch deutsche
Banken in ähnlicher Weise verfahren. Er schreibt: „Allerdings ist ein
liquider Status auch nicht immer als Kriterium für die stete Realisationsfähigkeit
 der Aktiva anzusehen, wenn man weiß, wie beim Herannahen
des Jahresschlusses die Aktiengesellschaften bestrebt sind, ihren Effektentresor
 zu leeren und ihre Kassen dagegen zu füllen. Hat man am
31. Dezember hier die hohen, dort die niedrigen Bestände in die Bilanz
aufgenommen, so hat jener flüchtige Sylvesteraufputz seinen Zweck erfüllt.

1) a, a. O, S, 300,
2) Die Entwickelung des Bankwesens in Elsaß-Lothringen seit der Annexion.
Jena 1891. S. 171. — Weitere Belege hierfür s. a. bei Adolf Weber, Depositenbanken
 und Spekulationsbanken, . Leipzig 1902, S, 201 ff,

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