Man beeilt sich, die großen Summen brach liegenden baren Geldes
wieder durch zinstragende Wertpapiere zu ersetzen. Namentlich an
Börsenplätzen, wo man die Schwankungen der Kurse in nächster Nähe
beobachten kann, sind derartige Manöver ganz allgemein gebräuchlich.“
Für die Gegenwart trifft dies, nach meinen Erfahrungen, in dieser
Allgemeinheit nicht mehr zu. Wenn alle Banken in dieser Weise verfahren
 würden, so käme als Käufer doch nur das Publikum, und in der
Hauptsache wieder nur die Kundschaft der betreffenden Bank inbetracht,
und dadurch würden sich auch nur wieder deren Debitoren erhöhen
bzw. die Kreditoren verringern. Für die Liquidität wäre also nicht allzuviel
 gewonnen. Im übrigen sind die Banken natürlich dauernd bestrebt,
Effektenbestände, die. sie nicht als dauernde Anlage — wie z. B. heimische
 Staatsanleihen als Gegenwert für einen Teil ihrer Depositengelder
 — erworben haben, abzustoßen, nötigenfalls unter Gewährung
einer Bonifikation 1).
Auch daß am Jahresschluß die Banken eine Hausse inszenieren, um
ihre Effekten zu höheren Kursen in die Bilanzen einstellen zu können”),
und dadurch eine. höhere Liquidität und Rentabilität zu errechnen, dürfte
heute kaum vorkommen. Einmal gibt gewisse Einschränkungen hinsichtlich
 der Bewertung der 8 261 des HGB., und dann können nötigenfalls
 Gewinne auch auf anderen Konten — insbesondere auch durch niedrigere
 Abschreibungen und Rückstellungen — herausgerechnet werden.
Wohl aber tragen die Banken, in Gemeinschaft mit den Kursmaklern
dafür Sorge, daß am Jahresschluß für möglichst viele Werte Kurse notiert
 werden, was aber mindestens ebenso im Interesse des ‘Publikums,
wie der Banken liegt.
Alles in allem: Die Bilanzen sehr vieler Banken werden künstlich verschönert
 und zwischen den Bilanzen, wie sie der Buchhaltungs-Chef der
Direktion vorlegt — und. durch verschiedene Maßregeln in den letzten
Tagen des Jahres sind die Ziffern: auch beeinflußt worden — und denen,
die nachher veröffentlicht werden, bestehen öfters große Abweichungen.

4. Maßnahmen der Banken, um liquide zu sein.
Im vorigen Kapitel hatten wir verschiedene Mittel kennen gelernt, die
die Banken angewendet haben und noch anwenden, um liquide zu er-1)

 Über Bonifikationslisten etc. s..Band I S. 349.
*) jm Wochenbericht der Frankfurter Zeitung vom 6. Januar 1901 heißt es:
5 271