händlern und Zurichtereien ist. Sie stellt zu diesem Zweck fest, welche
Blankokredite sind in Anspruch genommen, wie hoch sind die Vorschüsse
 gegen Waren (im eigenen Lager, im fremden Lager, auf dem
Transport), wie hoch die gegen bedeckte, bezw. unbedeckte Bürgschaft,
wie groß ist das Wechsel-Obligo? Weiter erfolgen Zusammenstellungen
nach der Höhe der Kredite, z. B.: Bis 10000 M 7 Debitoren, bis
20000 M 9 Debitoren usw. Überhaupt wird der Statistik im Bankgeschäft
 jetzt weit größere Beachtung als früher geschenkt. Auch die Praxis
hat mehr und mehr erkannt, daß aus den toten Zahlen, wenn man sie
richtig zu lesen versteht, sich eine Menge wichtiger Schlüsse ziehen lassen,
Hauptaufgabe der Bankleitungen ist es also, für eine stete Liquidität
Sorge zu tragen und für einen längeren Zeitraum Dispositionen zu treffen.
Ein bestimmter Prozentsatz Gelder muß, unbekümmert um die Rentabilität,
 derart angelegt werden, daß die Mittel sofort flüssig gemacht
werden können. Auch bei Effekten, die die Bank für eigene Rechnung
erwirbt, wird sie bestrebt sein, das Risiko möglichst einzuschränken. Daß
die spekulativen Geschäfte sich in mäßigen Grenzen halten müssen,
ist selbstverständlich. Ist hiergegen, vielleicht durch Überschreitung der
Befugnisse der Nostro-Abteilung oder eines anderen Beamten, gefehlt
worden, so wird eine baldige Auflösung der Engagements, trotz großer
Verluste, in vielen Fällen zweckmäßiger sein, als eine Prolongation der
Geschäfte oder gar ein weiterer Kauf, um dadurch „den Kurs zu verbilligen“.

Wie gefahrvoll große Summen Spargelder für ein Bankinstitut
werden können, hat die Hildesheimer Bank in ihrem 25. Geschäftsjahre
erfahren müssen, Im Anschluß an den Zusammenbruch des Hildesheimer
Bankgeschäftes I. A. Pistorius wurde auch gegen die Kassen der Hildesheimer
 Bank ein Run eröffnet, und etwa 3 Millionen M Spargelder
wurden. abgehoben. Über die bemerkenswerten Konsequenzen, die die
Bank daraus gezogen hat, schreibt sie in ihrem Geschäftsbericht von 1910:
„So unerfreulich an sich diese gegen unser Unternehmen gerichtete Bewegung
 uns sein mußte, so können wir doch die dadurch hervorgerufene
Verminderung der Sparguthaben nicht beklagen, da wir in unserer Überzeugung
 von der in großen Sparguthaben in Krisenzeiten für die Banken
liegenden Gefahr durch obige Vorkommnisse nur bestärkt wurden, und
die Inhaber kleiner Sparkonten, auf deren Urteilsfähigkeit begreiflicherweise
 ernste Zeiten am ersten störend wirken, nicht ungern aus dem
Kreise unserer Kunden ausscheiden sehen. Wir haben es uns seit

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