des Publikums und zwar, wie ich aus der Praxis weiß, nicht nur bei
„kleinen Leuten“, sondern auch bis in die höchsten und vermögendsten
Schichten hinein herrscht, Eine alte Weisheit für jeden, insbesondere
aber für den Geschäftsmann ist es: „Halte in kritischen Zeiten deine
Mittel möglichst liquide“. Viele aber gehen weiter und sagen: „Es kommt
alles darauf an, bei Beginn eines Krieges einen großen Betrag in Gold
parat zu halten, und da die Banken doch sicherlich versagen, so lege
ich mir schon. vorher das Gold in den Kasten;“ — wie oft habe ich in
den letzten. Jahren, die uns ja wiederholt hart an den Rand eines europäischen
 Krieges gebracht haben, dieses Wort vemommen und die Konsequenzen
 daraus, ziehen sehen. Sehr erhebliche Summen sind von
allen Banken, auch den größten Instituten, aus Furcht vor einem aussrechenden
 Kriege abgehoben, im eigenen Hause oder im Banktresor
verwahrt und nach Beseitigung der Kriegsgefahr wieder zur Bank zurückgebracht
 worden. Die Unbequemlichkeit, sowie das Risiko der eigenen
Verwahrung und der damit verknüpfte Zinsverlust!), erschien vielen als
das kleinere Übel.
Hieraus lassen sich Folgerungen ziehen, welchen Umfang erst die Abhebungen
 der Depositen- und Spargelder beim tatsächlichen Ausbruch
sines Krieges annehmen werden. Unsummen werden nicht nur aus Angst,
sondern infolge tatsächlicher Bedürfnisse von den Banken, Genossenschaften
 und Sparkassen abgehoben werden. Große Barmittel werden
auch dadurch notwendig werden,. daß bei einer Panik die Geld ersparenden
 Zahlungsmethoden: Scheck-, Giro- und Abrechnungsverkehr nur unvollkommen
 funktionieren werden. Nicht nur im Inlande wird großes
Mißtrauen entstehen, auch die Ausländer werden versuchen, die Forderungen,
 die sie in Deutschland haben, möglichst schnell einzukassieren
Wertpapiere und Waren werden wahllos, zu den immer mehr und mehr
sinkenden Kursen und Preisen verkauft, und wo dies nicht möglich ist,
verpfändet werden; kurz, jeder strebt, bares Geld zu bekommen, und
die Banken müssen die Anforderungen ihrer Kunden nach vermehrten
Barmitteln zu erfüllen suchen.
Dazu treten die Anforderungen des Reichs, Rießer berechnet sie bei
3 Millionen ausgebildeten Mannschaften auf 18 Mill. M pro Tag, d. h. also
540 Mill, M pro Monat, wozu dann noch die indirekten Kosten, wie
1) Ein Kunde einer Großbank, ein Staatsbeamter, fragte, als er sein Guthaben
in Höhe von 10000 M abhob und vor den Augen der Bankbeamten in seinen
Safe einschloß, zu welchem Prozentsatz die Bank dieses Geld im Safe verzinse.
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