Sollen nun aber auch die Banken dauernd ihre Dispositionen so
treffen, daß sie jeden Augenblick mit dem Ausbruch eines Krieges rechnen?
Wir haben seit 44 Jahren keinen Krieg und, von 1866 abgesehen, seit
too Jahren keinen Krieg im Lande gehabt; so hatten bis vor Kurzem
auch Bankdirektoren und Bankiers nur wenig mit der Möglichkeit eines
Krieges gerechnet, und doch müssen wir unbedingt die Kriegskrisis und
die Kriegspanik berücksichtigen und schon in Friedenszeiten diesbezügliche
 Vorsorge in unserem Bankwesen treffen, d. h. wir müssen mit Anwendung
 aller Mittel danach trachten, daß unser Bankwesen sich mögtichst
 liquide gestaltet, daß nicht große Summen dauernd festgelegt werden,
und daß vor allem auch die Banken, Genossenschaften und Sparkassen
größere Barreserven halten, Die kriegsmäßige Liquidität schaut anders
aus, wie die friedensmäßige?).

1) Die außerordentlich wichtige Frage, wie die deutschen Sparkassen im
Falle eines Krieges dem Ansturm ihrer.Einleger begegnen können, hat vor einigen
Jahren im „Tag‘“ der General der Infanterie z. D. von Blume angeschnitten.
Er will Einrichtungen getroffen wissen, die den Sparkassen die Möglichkeit gewähren,
 bei Ausbruch eines Krieges ohne Verzug, innerhalb 24 Stunden, einen
Teil ihrer nicht sofort veräußerlichen Bestände zu mobilisieren, Zu diesem Zwecke
sollen Lombard-Darlehenskassen errichtet werden, die möglichst der Organisation
 der Sparkassen, etwa dem bereits bestehenden „Deutschen Sparkassen-Verband‘,
 angeschlossen werden, und deren Kassenscheine Zwangskurs, oder
wenigstens allgemeine Umlaufsfähigkeit haben. Mit der Errichtung der Kassen,
Jem Druck der Scheine usw. soll nicht bis zum letzten Moment gezögert werden
_— die Hilfe würde dann zu spät kommen —, sondern die Organisation soll
schon in Friedenszeiten ins Leben treten, damit sie im Notfalle sofort funktionieren
 kann.
Herrn von Blume schwebt hier eine Einrichtung vor, die während der letzten
drei Feldzüge geschaffen worden war, Es wurden damals, im Anschluß an das
Lombard-Kontor der Preußischen Bank, „Darlehenskassen‘“ eingerichtet, die Vorschuß
 auf Waren und Effekten gewährten und ein eigenartiges Papiergeld, die
sogenannten Darlehens-Kassens chein&amp;, unter Garantie des Staates ausgaben.
Über die Zweckmässigkeit dieser Darlehenskassen kann man verschiedener Meinung
sein. Ihre Tätigkeit ist insofern nützlich gewesen, als sie dem Handel über momentane
 Verlegenheiten hinweghalfen; andererseits bedeuteten deren Kassenscheine
 ein recht schlecht fundiertes Kreditgeld, das die deutsche Währung. nur
deshalb nicht diskreditierte, weil es nur in geringfügigen Beträgen im Umlauf war,
Im Jahre 1870 sollten bis zu 30 Millionen Taler ausgegeben werden; tatsächlich
kam aber nur etwa der zehnte Teil in den Verkehr. Man stelle sich dagegen die
Summen vor, die bei Annahmen des Blumeschen Vorschlages emittiert werden
müssten. Um hunderte von Millionen, wenn nicht gar um Milliarden M würde es
sich hier handeln,

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