Der Frieden ist das Wünschenswerte, zum Glück. auch das Normale,
die Norm, der Krieg die Ausnahme. Der Kaufmann und der Bankier
muß einen gewissen Optimismus besitzen. Würde er bei allen seinen
Entscheidungen immer nur die Kriegsgefahr vor Augen haben, so wäre
eine gedeihliche wirtschaftliche Entwickelung unmöglich, Handel und Verkehr
 würden lahmgelegt und fast jedes kommerzielle und industrielle Geschäft
 unmöglich gemacht werden, denn es müßten Forderungen gestellt
werden, die der Kreditsuchende nicht erfüllen könnte. Es würden also
verschiedenerlei Schädigungen privater Erwerbswirtschaften und damit
schließlich auch der Volkswirtschaft erfolgen.
Braucht die allgemeine Geschäftspolitik nicht dauernd von der Befürchtung
 kriegerischer Verwickelungen beeinflußt zu werden, so müssen die
Banken sich doch stets der ungeheuren Verantwortung, die auf ihnen
ruht, bewußt bleiben und bedenken, daß ihnen im Hinblick auf den
Kriegsfall gewisse nationale Aufgaben erwachsen. Sie haben, sagt
Schinckel?), die Pflicht, darauf zu achten, daß nicht ihr Land durch
sie fremden Ländern stärker verschuldet ist, als ihr Guthaben in fremden,
jederzeit zahlungsfähigen Ländern beträgt. Starke Portefeuilles von ausländischen
 Goldvaluten, d. h. von Wechseln, die im Auslande in
Gold zahlbar sind, stellen für den Kriegsfall die beste Reserve der
Banken?) dar. Diese werden durch Verwertung der Goldvaluten und durch
Kündigung der ausländischen Guthaben einen Teil der anstürmenden inund
 ausländischen Gläubiger befriedigen können. Daß die Banken, wie
Schinckel meint, per Saldo so viel Geld vom Auslande werden einziehen
können, daß sie auch ihrerseits ihre nationalen Pflichten bei Deckung
des ersten Geldbedarfs für Kriegszwecke erfüllen können, scheint mir
doch wohl zu optimistisch.
Bricht ein Krieg aus, so wird naturgemäß auf wirtschaftlichem Gebiet
eine Panik entstehen, und es werden somit die pekuniären Ansprüche
der Panik, wie auch des Krieges selbst zu befriedigen sein.
Die Hauptsache wird sein, daß die Banken es verstehen, auch in der
allerkritischsten Zeit sich das Vertrauen des Publikums zu erhalten.

1) Bank-Archiv V, 4.
2) Die alten Hamburger. Girobanken haben stets gegen einen Teil ihrer
Giroguthaben Wechsel auf London "gehalten. Einzig und allein durch einen großen
Besitz von der Devise London war es, nach Schinckel, im Jahre 1870 einer damals
 gar nicht sehr großen Bank in Hamburg möglich, die größte Zeichnung auf
die, ‚Kriegsanleihe des Norddeutschen Bundes zu machen,

25 Obst, Bankoolitik.