In einem kleinem Betrieb, und insbesondere auch in Provinzialstädten,
kennen die Chefs die persönlichen Verhältnisse eines jeden Beamten und
treten diesem auch menschlich näher. Bei größeren Banken ist dies natürlich
 nicht möglich. Doch sollte hier wenigstens der Personal-Chef, aus
verschiedenen Gründen, auch im Interesse der Bank selbst, im engen
Konnex mit der Beamtenschaft stehen. Er wird auf diese Weise auch
in der Lage sein, bei Neubesetzung besserer Posten stets den richtigen
Mann in Vorschlag zu bringen. Jeder ist nicht für jeden Posten geeignet.
Ein tüchtiger Börsenvertreter und Arbitrageur wird meist ein sehr schlechter
Buchhalter sein, und umgekehrt, ein sehr brauchbarer Buchhalter wird
sich oft gar nicht für den Posten eines Börsenvertreters oder Schalterbeamten
 eignen, Das sind individuelle Anlagen, die erforscht, und zum
Vorteil des Betreffenden und der Bank selbst ausgenützt werden müssen.
Im allgemeinen herrscht bei den Banken das Prinzip, nur jüngere Beamte
 einzustellen und die bisherigen allmählich heraufrücken zu lassen,
Eine strenge Trennung zwischen den einzelnen Kategorien besteht nicht,
so daß jeder Beamte — im Gegensatz zu den Staatsbeamten, bei denen
ein mittlerer Beamter oder ein Unterbeamter niemals, die Ausnahmen
sind zu zählen, ein höherer Beamter werden kann — die Chance hat,
Direktor zu werden. Wenn auch die Zahl der Vorstandsmitglieder gering
ist, und hierzu auch öfters Outsiders berufen werden, so gibt es doch
eine Menge anderer leitender Posten, deren Inhaber eine hohe soziale
Stellung einnehmen, und deren Einkommen größer als das fast aller
Staatsbeamten ist.
Die Hoffnung, eine solche leitende Stellung zu bekommen oder doch
wenigstens Chef einer Abteilung zu werden, beseelt den Bankbeamten
und soll ihn auch dauernd beseelen. Sie soll ihn aber auch zur Erweiterung
 seiner Fachkenntnisse und zur höchsten Pflichterfüllung anfeuern und
ihm die Notwendigkeit vor Augen führen, sich ein hohes Maß allgemeiner
Bildung anzueignen, um auch hierin den Angehörigen anderer Berufskreise,
mit denen er dauernd in Verbindung tritt, nicht nachzustehen. So kann
jeder Bankbeamte selbst dazu beitragen, sich eine angesehene soziale
Stellung zu schaffen und das Niveau seiner Kollegen zu heben.
Vertrauen zu erwerben ist das Ziel der Bankleiter und soll auch
die höchste Aufgabe der Bankbeamten sein. Als treue Berater im Geldund
 Kreditverkehr und bei Kapitalanlagen können sie ungemein nützlich
und aufklärend wirken. Ohne zu fragen, was kostet’s und was bringt’s
ein?, wird der theoretisch und praktisch ausgebildete Bankbeamte in

3903