Ein Klublokal mit Lese- und Spielzimmer, Restaurationsbetrieb sowie
gesellschaftliche Veranstaltungen brachten die Mitglieder einander näher.
Später erwarb sich der Verein durch Veranstaltung banktechnischer Vorlesungen
 große Verdienste um die Weiterbildung seiner Mitglieder, Vor
allem war er bestrebt, ein gutes Verhältnis zwischen Chefs und Beamten
anzubahnen und dauernd zu erhalten. Obwohl Aktienbanken und Privatfirmen
 nicht unerhebliche Jahresbeiträge leisteten, ist der Vorstand auch
einige Male, in sehr konzilianter Form, zugunsten der Angestellten gegen
die Chefs aufgetreten und hat vielleicht gerade durch die Konzilianz und
durch Intervention früherer Mitglieder, die sich in leitenden Stellungen
befinden, vieles erreicht, was auf andere Weise nicht erlangt worden wäre.
Wer, wie ich, in der Lage war, einen tieferen Einblick in die Verhältnisse
 zu bekommen, muß den Männern, die in uneigennütziger Weise
für das Wohl ihrer Kollegen erfolgreich tätig waren, die allergrößte Anerkennung
 zollen, auch wenn mitunter Beschlüsse gefaßt sind, die vielleicht
 besser unterblieben wären,
Im Gegensats zu dem Lokalverein, . wollte der im Mai 1894 gegründete
 Deutsche Bankbeamten-Verein im ganzen Reich Mitglieder
erwerben. Mit 56 Mitgliedern ins Leben gerufen, zählte der Verein 1903
bereits 3893 Mitglieder, 1907 10726, 1909 17084, und gegenwärtig
sind in den über 100 Zweigvereinen und 200 Ortsgruppen, die sich über
ganz Deutschland und fast alle wichtigen Bankplätze des Auslandes erstrecken,
 25000 Mitglieder!) vereinigt. Davon entfallen allein über 3300
auf Berlin. Wer die großen Schwierigkeiten kennt, die sich der Organisation
 gebildeter Schichten in Deutschland entgegenstellen, muß den
Leistungen des Vereins, der in mühevoller Kleinarbeit Zehntausende von
Bankbeamten organisiert hat, vollste Achtung zollen. Naturgemäß konnten
die ersten Jahre nur dieser Werbetätigkeit vorherrschend gewidmet sein,
doch gelang es bereits damals den Beamten einer Großbank, eine Altersversorgung
 zu verschaffen. Im Juni 1903 trat der damalige Reichsbankbuchhalter
 Max Fürstenberg als geschäftsführender Vorsitzender an
die Spitze des nach gewerkschaftlichen Grundsätzen arbeitenden Vereins,
und unter seiner zielbewußten, zunächst ehrenamtlichen, seit 1907 berußlichen
 Führung erreichte der Verein auf allen Gebieten der sozialen

") Die Mitgliederzahl hatte sogar einmal die Zahl 30000 erreicht, Der Rückgang
 hat seine Ursachen in dem Kampf des Allgemeinen Verbandes und der
Erhöhung der Mitgliedsbeiträge.

106