Fälle vor Augen, ebenfalls sehr schwer, Ersatz zu finden, mit dem beide
Parteien einverstanden sind,
Aus diesen Erwägungen heraus haben die Banken ihre Kommanditen
zum Teil wieder aufgegeben. Teilweise haben sie sie zu Filialen ihrer
Bank oder einer Konzernbank gemacht, teilweise haben sie ihr Kapital
direkt herausgezogen oder, wie z. B. die Nationalbank für Deutschland
bei ihrer Kommandite Erttel, Freyberg &amp; Co. in Leipzig mitgewirkt, daß
sie an eine andere Bank, in diesem Falle die Mitteldeutsche Privat-Bank,
verkauft wurde, die sie zu einer Filiale ihres Institutes umgestaltet hat.

3) Errichtung von Filialen, Agenturen und Depositenkassen,
Es ist eine feststehende Tatsache, daß eine Bank mit vielen Filialen
den kleinen Lokalbanken überlegen ist. Weil sie größere Sicherheit bietet
und eine stärkere Widerstandskraft besitzt, wird sie viel leichter in der
Lage sein, Depositen an sich zu ziehen und sie mit größerem Vorteile
und größerer Sicherheit verwenden können. Infolge ihres Kapitals und der
Verteilung der Risiken werden große Banken in Krisenzeiten weniger zu
leiden haben. Das internationale Geschäft erfordert kapitalkräftige Institute,
die im Auslande bekannt sind.
In England und Frankreich hat sich das Filialsystem bei den Banken
in weit höherem Maße als in Deutschland ausgebildet, wo man auf dem
Wege der Beteiligung, mit geringeren Mitteln, die gleichen, und noch
größere Vorteile, wie in England und Frankreich, durch Errichtung von
Tilialen erreicht hat.
Die Expansion durch Errichten von Filialen und Depositenkassen hat
in Deutschland erst sehr spät begonnen. Nach einer Statistik von Adolf
Weber?!) hatten Ende 1900 die 15 größten deutschen Depositen- und
Spekulationsbanken zusammen nur 105 Filialen und Depositenkassen,-d, h,
noch nicht halb so viel, wie damals die London City and Midland Bank
allein, Aus prinzipiellen Gründen widerstrebte man der Gründung von
Filialen in Deutschland. Man fürchtete, sagt Rießer?), daß die Anforderungen
 der Filialen an die Zentrale „leicht ins Ungemessene gehen,
und die Geschäftspolitik sowohl wie die Generaldisposition über die Mittel
der Bank, die in einer Hand bleiben müssen, durchkreuzen könnten“.
Mögen diese Bedenken in früherer Zeit maßgebend gewesen sein, heute
sind sie es jedenfalls kaum noch. Bei einigen Banken ist den Filialen

1) Depositenbanken und Spekulationsbanken. Leipzig 1902 S, 65.
2 a, a. O, S, 561.
32