Von Berlin übertrug sich der maßlose Wettbewerb der Bankfirmen
untereinander auf die Provinz, wo die Filialen der verschiedenen Großbanken
 unter sich und mit den einheimischen Bankfirmen konkurrierten,
und da sie selbst von ihrer Zentrale in Berlin, „um ins Geschäft zu
kommen“, äußerst billig bedient wurden, drückten sie erheblich die bisher
am Platze üblich gewesenen Konditionen. Kredite sind, um Geschäfte
zu machen, wie man sagt, ins Haus getragen worden, Hierdurch wurde
aus dem Handwerker ein Kleinindustrieller, der selbst Kredit in höherem
Maße als bisher gewährte und infolgedessen auch wieder von der Bank
beanspruchte. So mehrten sich die Umsätze der Banken.
Ein Kampf mit bisher nicht üblichen Mitteln entstand vor allem
auch, um möglichst hohe Beträge fremder Gelder hereinzubekommen.
Beträge von 5000 M an wurden als Ultimogeld zu Ultimosätzen verzinst,
 und diesbezügliche Offerten gingen in großer Zahl an Firmen und
Private heraus. Es war dies ein Unfug, der das Ansehen der betr. Firma
unbedingt schädigen mußte, Die Folgen blieben denn auch nicht aus: Das
Publikum schlug, selbst bei Begebung kleiner Summen, ein Submissionsverfahren
 ein, und erteilte den Meistbietenden den Zuschlag. Beamte
wurden wegengagiert, in der Erwartung, daß sie einen Stamm Kunden
mitbringen würden. Das Gefühl, daß dieses Pürschen im fremden Revier,
das Abspenstigmachen von Kunden, unfair sei, hatte man leider vielfach
verloren 1).
Unter dem Druck der gegenseitigen Konkurrenz wurden oft eine Menge
Arbeiten und Dienstleistungen ohne Entgelt für die Kundschaft ausgeführt,
 so z. B. die Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren,
die Besorgung neuer Kuponsbogen, die Einlösung von Domizilen usw.

1) Jaffe(a, a. O. S. 285) schreibt, daß englische Banken früher Konten nicht
annahmen, ohne vorher Rückfrage bei der bisherigen Bank gehalten zu haben, und
wenn eine Bank in einem Ort, einer Stadtgegend oder Hauptstraße etabliert war,
so war eine andere nicht sogleich bei der Hand, sich in deren Bereich einzunisten.
 Heute hat sich dies aber auch geändert, und 1902 bereits sagte der President
 of the Institute of Bankers: „Die Konkurrenz der (englischen) Banken um
neue Geschäfte zeigt kein Nachlassen, sondern wird noch immer intensiver. Wir
geben alle zu, daß eine vernünftige Konkurrenz gesund und wünschenswert ist,
aber eine Konkurrenz, die basiert auf größeren Vergütungen, Herunterschneiden
 der Darlehnsraten und Erleichterung der sonst feststehenden
 Bedingungen, ist zu verurteilen. Ich weiß aus eigener Erfahrung,
daß Banken sich um Geschäfte beworben haben zu Bedingungen, die direkt einen
Verlust ergeben müssen“,

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