treibungen, die, wie die Bankwelt zugeben müsse, auf beiden Gebieten
vorhanden sind und eine Gefahr für die Gesundheit und die Widerstandsfähigkeit
 des deutschen Bankgewerbes gegenüber kritischen Zeiten
in sich schließen.
Eine Beseitigung dieser Kreditüberspannung und Konkurrenzübertreibung
 sei nur durch gemeinschaftliches Zusammenwirken
aller deutschen Bankplätze möglich. Sie erfordere ein gewisses Opfer
der Bewegungsfreiheit, das man nicht von einzelnen Bankplätzen oder
von einzelnen Kreisen des Bankgewerbes allein verlangen könne, sondern
das ein jeder auf sich nehmen müsse. Der Reichsbankpräsident, das wurde
in den Verhandlungen mehrfach betont, habe keinen Zweifel darüber gelassen,
 daß, wenn die deutsche Bankwelt nicht aus sich selbst heraus zu
einer Einigung gelange und die Kraft zur Abstellung der erwähnten Mißstände
 fände, der Weg der Gesetzgebung beschritten werden würde. Das
bedeute angesichts der Abneigung der Reichstagsmehrheit gegen das mobile
Kapital eine schwere Gefahr für das gesamte deutsche Bankgewerbe.
Um sie zu verhüten, war die Berliner Stempelvereinigung bemüht, mit
den übrigen deutschen Bankplätzen Vereinbarungen über eine Reihe von
Vorschlägen zu treffen, und sie hielt es für zweckmäßig, durch mündliche
Verhandlungen zunächst in kleineren Kreisen Klarheit zu gewinnen, wie
weit solche Vereinbarungen möglich seien. Der Verschiedenartigkeit der
Verhältnisse an den einzelnen deutschen Bankplätzen mußte selbstverständlich
 Rechnung getragen werden,
Das Endziel aller Verhandlungen sollte schließlich eine Verbesserung
 der Zahlungsbereitschaft der Banken und eine Zurückdrängung
 der bisherigen Übertreibungen in der Verwendung der Depositengelder
 zu ungesunden Krediten sein. Der Schaden, den die
Banken durch Zinsverlust erleiden, und der durch den geringeren Umsatz
usw. entgangene Gewinn, soll durch den von der Reichsbank, und insbesondere
 ihrem Direktor von Lumm gewiesenen Weg ausgeglichen
werden: Beseitigung des Wettbewerbs und freundschaftliche Verständigung
über Provisions-, Zins- und Diskontsätze, d. h. Aufhören der Unterbietungen
 hierbei,
In Augsburg, Bremen, Breslau, Cöln, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld,
Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Leipzig, Mannheim, Mühlhausen,
München, Nürnberg, Saarbrücken, Straßburg und Stuttgart wurden, soweit
es nicht früher schon geschehen war, nach dem Vorbild der Berliner
„Stempelvereinigung“, lokale Vereinigungen von Banken und Bankiers ge-471
