Ur

schaffen, die sich, teilweise wieder durch Zusammenschluß (Bayerische
Bankvereinigungen, Rheinland-Westfalen), überall zu gleichem Zweck organisierten,
 und ziemlich gleichlautende Statuten besitzen.
Diese lokalen Vereinigungen haben nun Deputierte zu verschiedenen
gemeinschaftlichen Sitzungen, die hauptsächlich in Berlin stattfanden, gesandt.
 Wirksam geworden sind bis jetzt nur die Abmachungen bezüglich
der Ausleihungen von Ultimogeld und der Einführung von Einheitssätzen
 bei Anwerbung solcher Gelder aus dem In- und Auslande (siehe
Band I S, 274f.), sowie gewisse Normen hinsichtlich der Provisionssätze
auf Akzepte und Avale (s. Band I S. 288). In einem Rundschreiben
der Berliner Stempelvereinigung wird gesagt, daß bei einem Scheitern des
geplanten Provisionskartells die letzte Aussicht schwinden würde, einem
weiteren Herabgehen der Provisionssätze Einhalt zu tun, während bei
sinem Zustandekommen eine gesunde Basis geschaffen werde, auf der sich
dann auch leicht weiter aufbauen lasse.
Bei der Verschiedenheit der Existenzbedingungen der Banken und
Bankiers in ihren zahlreichen Abstufungen wird es sehr schwer halten,
einigermaßen einheitliche Bestimmungen, an die sich alle gebunden halten,
festzusetzen. Abmachungen hinsichtlich der Zinssätze sind ja auch früher
schon Öfters getroffen worden, meist aber mit dem Zusatz, daß in Ausnahmefällen
 ein klein wenig über den Satz gezahlt werden darf!), „Individuelle
 Behandlung“, so sagen erfahrene Bankdirektoren und Bankiers,
ist das gegebene Verhältnis zwischen Bank (Bankier) und Kunden, und
gerade die kleinen Bankiers fürchten den Rest ihrer Kundschaft zu verjeren,
 wenn sie diese nicht mehr individuell bedienen.
Die Mitglieder der Berliner Stempelvereinigung, der außer den
Großbanken nur 3 private Bankhäuser angehören. haben für sich und

') Leo Jolles, der einen sehr guten Blick für die praktischen Verhältnisse
hat, schreibt im „Tag“ ı913 Nr, 134: „Man erzählt sich, daß bei Besprechung
über die Zinsvergütungen wiederholt Einigkeit geherrscht habe, daß aber gleich
nach Erklärung eines solchen Konkordats die eine oder andere Bank hinging und
\hren Depositenkunden !/, oder !/,°, mehr bot’als die Konkurrenz. Verrat am
eigenen Geschlecht? Schön ist es natürlich nicht, wenn nach solchen Grundsätzen
verfahren wird; aber die Depositenkassen sind kostspielig, und die Kundschaft
ist apathisch, wenn man sie nicht durch starke Reizmittel weckt. — Man denke
sich einen anderen Fall: Eine Bank kann von einem Großindustriellen eine erhebliche
 Summe baren Geldes als Depositum erhalten, wenn sie ihm eine Ausnahmeverzinsung
 gewährt, Soll das Institut nein sagen, weil im Konditionenkartell
ein anderes vereinbart wurde?“
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