Unter der Überschrift „Eine ungeeignete Industrie-Obligation“ schreibt
das Berliner Tageblatt vom 19, Juni 1914: „Wie von uns bereits angekündigt,
beabsichtigt die Bernburger Maschinenfabrik die Aufnahme einer Anleihe. In welchem
 Umfange dies geschehen soll, ist bisher nicht mitgeteilt worden. Jedenfalls
möchten wir schon heute darauf hinweisen, daß Obligationen der „Bernburger
Maschinenfabrik“ nicht als eine für das Publikum geeignete Kapitalanlage angesehen.
 werden können. Das Unternehmen hat seit Jahren keine Dividende mehr
zahlen können, der Kurs der Aktien bewegt sich um 50°%, herum, Bisher ist die
Gesellschaft mit einer Obligationsschuld von ca. ı Mill. M belastet. Das Hauptziel
 der weiteren Vermehrung der Anleiheschuld dürfte sein, den an dem Unternehmen
 beteiligten Bankgläubigern zu dem von ihnen vorgestreckten Gelde
zu verhelfen. Welche Summen die Bankgläubiger hergegeben haben, ist nicht bekannt.
 Die Bilanz vom 31. Dezember 1912 wies mehr als 2 Mill. M Kreditoren
zus, Das Publikum hat in dem vorliegenden Falle keine Veranlassung, dem Wunsche
der Bankgläubiger zu entsprechen.‘

In der Regel werden die Industrie-Effekten, Aktien wie Obligationen,
geschaffen, um einen von den Banken bereits gewährten industriellen Investierungskredit
 zurückzuzahlen. Die Banken übernehmen die Emission
und kreditieren der Gesellschaft den Gegenwert der Aktien und Obligationen.
 Für die Bank bedeutet dies zunächst natürlich nur eine Änderung
der Form des Kredits, nur eine Umbuchung findet statt. Erst wenn die
Effekten plaziert und bar bezahlt sind — wenn sie in der eigenen
Kundschaft untergebracht werden, geht häufig kein bares Geld dafür ein,
sondern es erfolgt nur eine Belastung auf Konto, dessen Kreditsaldo da-Jurch
 verringert, bezw. dessen Debetsaldo erhöht wird —, fließen der
Bank die in den Industriewerten investierten Mittel wieder zu, und erst
‚etzt ist die definitive Abwickelung des Kreditgeschäftes erfolgt.
Während in den meisten Fällen die Emission eines industriellen Unteraehmens
 ganz, oder wenigstens zum erheblichen Teil, zur Deckung aufgenommener
 Bankschulden dient, gibt es auch einige große Unternehmen,
die es niemals darauf ankommen lassen wollen, auf Bankkredit angewiesen
zu sein, die für jede kommende größere Aufgabe und Ausgabe schon
vor ihrer Verwirklichung die finanzielle Deckung besitzen, sich immer
Aüssig halten, um niemals genötigt zu sein, in einem bestimmten, vielleicht
gerade sehr ungünstigen Augenblick an den Geldmarkt appellieren zu
müssen. Typische Beispiele hierfür sind die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft
 und die Hamburg-Amerika-Linie. Diese Gesellschaften haben
es stets vorgezogen, Gläubiger statt Schuldner der Banken zu sein, und
sie haben mehrfach, wenn die Bilanzen noch große flüssige Mittel,
und 30, 40 und mehr Millionen M Bankguthaben aufwiesen, Kapitaldu

