In kritischen Zeiten, oder wenn das Publikum aus irgend welchen
Gründen Angstverkäufe in größerem Maßstabe vornimmt, treten die Großbanken
 mitunter allgemein als Käufer auf und gehen dabei systematisch
zu Wege.
So berichtet z, B. das Berliner Tageblatt am 25. April 1914:
„Über eventuell vorzunehmende Interventionskäufe berieten die
Großbanken heute infolge des gestern an der hiesigen Börse eingetretenen starken
Kursrückganges, Bei den Beratungen wurde, wie wir hören, von einigen Seiten
der Auffassung Ausdruck gegeben, daß das jetzige Kursniveau im allgemeinen
nicht hoch sei. Direktor Mankiewitz von der Deutschen Bank soll der Erwartung
Ausdruck gegeben haben, daß die Eisenbahnfrachtraten in den Vereinigten
Staaten sehr bald erhöht werden würden; davon sei nicht nur für die amerikanische
 Industrie, sondern darüber hinaus für den Eisenweltmarkt eine Belebung
zu erhoffen, die dann auch dem Kursniveau eine Stütze bieten könnte. Zu gemeinsamen
 Interventionskäufen der Banken kam es heute nicht; dazu bestand
auch insofern keine Veranlassung, als das Angebot im allgemeinen nicht groß
war. Verschiedene Banken sind indes für eigene Rechnung an einzelnen
Märkten als Interventionskäufer aufgetreten.“

Mit dem Patron — der auch, wenn es sich um eine Aktiengesellschaft
handelt, dauernd um Auskünfte über das Unternehmen ersucht wird —
werden, unter Umgehung der Makler, öfters direkt Geschäfte abgeschlossen,
teilweise auch unter Gewährung einer Bonifaktion bei Käufen. Man handelt:
„franko Courtage unter Kurs“, Dadurch werden natürlich die Makler, und
wenn es sich um auswärtige Banken und Bankiers handelt, ev. auch die
Bankfirmen in Berlin, die sonst die Kauforders bekommen hätten, benachteiligt,

Schon mehrfach hatten wir darauf hingewiesen, daß die Bankenkonzentration
 in hohem Maße zur Folge gehabt hat, daß ein immer größerer
Prozentsatz der Effektenorders gar nicht zur Börse kommt, sondem im
Börsenbureau der Bank bereits durch interne Kompensation der Kaufund
 Verkaufsaufträge seine Erledigung findet, die Banken also gewissermaßen
 selbst die Funktionen der Börse übernehmen. Neander
Müller bemerkt hierzu: „Ob bei dem Einlaufen zweier entgegengesetzter
Aufträge an der Börse zur kommissionsweisen Ausführung zwei Banken
mitwirken, die unter sich, direkt oder durch Vermittelung eines Maklers,
Kauf und Verkauf kompensieren, oder ob beide Aufträge an einen und
denselben Bankier gelangen und dieser in sich kompensiert, ist für die
Preisbildung völlig irrelevant!).“

1) Ein Zerrbild der Börse, Bank-Archiv II, 2,

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