Anlagegeschäfte, wie Spekulationsgeschäfte können per Kasse oder auf
Termin abgeschlossen werden. In der Regel wird aber das Anlagegeschäft
 per Kasse, das Spekulationsgeschäft auf Termin — meist per
Ende des laufenden oder des nächsten Monats — oder per Kasse
abgeschlossen werden. Anlage- und Spekulationsgeschäft gehen oft auch
ineinander über. Es kauft jemand ein Effekt als Anlage; nach wenig
Tagen bereits ist der Kurs erheblich gestiegen; er nimmt den Nutzen
mit, verkauft das Papier und erwirbt ein neues einer anderen Gattung,
Man nennt dies „gute Kapitalsverwaltung“,
Völlig anderer Art ist das Geschäft, wie es sich mehr oder weniger
lebhaft in den Depositenkassen der Banken und bei Privatfirmen abspielt,
bei denen, mitunter von’ völlig geschäftsunkundigen Leuten, in der Weise
zunächst per Kasse spekuliert wird, daß gegen einen verhältnismäßig getingen
 Einschuß Effektenorders an der Börse ausgeführt werden, Täglich
werden ein oder mehrere „Tips“ ausgegeben, nicht nur von den Beamten
 der Kasse — bei manchen Banken besteht ein Verbot seitens
der Direktion, unaufgefordert Ratschläge für Effektenspekulationen zu erteilen
 — sondern auch gegenseitig von den Kunden, die sich dort regelmäßig
 zur Börsenzeit treffen. Zwischen Berlin und der Provinz besteht
kaum ein Unterschied. Dringende Depeschen oder dringende Telefongespräche
 informieren schnell über die Börsenlage, und auf eben diesem
Wege werden die Orders nach Berlin befördert. Ein wenig gewissenhafter
 Depositenkassenvorsteher oder Börsenvertreter — glücklicherweise
bildet diese Kategorie die Ausnahme — kann hier viel Unheil anrichten.
Weit schlimmere Folgen, wie der Kassehandel kann, da es sich hier
in. der Regel um erheblich größere Summen handeln wird, der Terminhandel
 für die Beteiligten haben. Er wird vor allem auch für die Baissespekulation
 Anwendung finden, da ein „Fixen“ (Leerverkauf) per Kasse
wegen des baldigen Lieferungszwanges der Effekten nur sehr beschränkt
möglich ist. Bei den Großbanken und bei mehren anderen Banken wird
ja durch ständige Kontrolle der Ultimo-Engagements die übereifrige
Tätigkeit mancher Depositenkassen- und Filial -Vorsteher mehr oder weniger
 eingeschränkt werden, bei anderen Banken aber wieder, und insbesondere
 auch bei mehreren Privatirmen, wird dem Ultimogeschäft „besondere
 Aufmerksamkeit gewidmet“. Bei persönlichen Besuchen, durch Briefe,
einer spekulativen Überspannung vorzubeugen, soll, wenn die Engagements eines
einzelnen Kunden 1000 Shares oder mehr erreichen, ein zusätzlicher Betrag von
$ 5 per Aktie als Einschuß eingefordert werden.

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