Telefongespräche usw., wird auf dies oder jenes Papier hingewiesen, das
augenblicklich sehr chancenreich ist, und so werden oft Personen zu
Börsenspekulationen veranlaßt, die besser die Hände davon ließen. Andererseits
 gibt es eine Anzahl Leute, die von renommierenden Freunden
dder am Stammtisch gehört haben, wie man schnell durch Börsenspekulationen
 sein Vermögen verdoppeln kann, und die trotz aller Warnungen
der Bankvorsteher usw. von ihrem Vorhaben nicht abzubringen sind.
Zwischen Spekulation, die volkswirtschaftlich vollkommen. berechtigt ist,
und Spiel muß, wie oben erwähnt, unterschieden werden. Praktisch ist
dies aber oft kaum möglich, ebenso wie auch Vermögensverwaltung und
Spekulation vielfach nicht von einander zu trennen sind. Merkwürdig
mutet es aber an, wenn das Bank-Archiv!) in einer Erwiderung
zu einem Aufsatz von Plenge schreibt: „Daß über den volkswirtschaftlich
 erforderlichen Umfang hinaus, seit 1908 in Deutschland spekuliert
 werde, ist eine Behauptung, die des Beweises entbehrt.“ Ich
smpfehle dem Herrn, der das geschrieben hat, einmal zwischen 12 und
„2 Uhr eine Anzahl Depositenkassen verschiedener Berliner Banken
und Bankgeschäfte, insbesondere solche, die die Kurse im Schaufenster
aushängen, zu besuchen und die Gespräche der Kundschaft zu belauschen.
Er wird dann sicher zu einer anderen Ansicht gelangen.
Das Börsengesetz von 1896 hat endlich, nach langen Kämpfen, im
Jahre 1908 eine Änderung erfahren, wodurch die größten Härten bezeitigt
 sind. Das neue Gesetz hat aber auch, wie von Lumm schreibt?),
eine „unerwünschte rapide Steigerung“ der Börsentätigkeit zur Folge
gehabt und bewirkt, daß der Ultimoverkehr an der Börse wieder eine
größere Ausdehnung erfuhr. In welchem Umfange durch diese Entwickelung
 das Effektengeschäft und die Börsenspekulation, „die in Kreise hineingetragen
 worden ist, die ihr bisher fernstanden“, gefördert worden sind,
zeigten die Lombards und Reports bei den Banken, die sich von Ende
1890 bis 1910 von 427 auf 2528 Millionen M erhöht haben, was eine
Steigerung um das Sechsfache bedeutet. Bei den 9 Berliner Großbanken
sind die entsprechenden Ziffern in dem gleichen Zeitraume von 219 auf
[152 Millionen M gewachsen®).

5 XI, 16.
?) Bank-Archiv, XI, 12,
*) Die Commerz- und Disconto-Bank schreibt in ihrem Jahresbericht für 1909:
„++. Die Umsätze im Ultimoverkehr nahmen zeitweilig einen seit Jahren nicht
zekannten Umfang an. Erst jetzt ließ sich erkennen, wie die durch die Börsen-522

