Zur äußerlichen Verbesserung der Liquidität, besonders am Jahresende,
wo Kritiker die Bilanzen näher unter die Lupe nehmen, verschaffen sich
die großen Banken öfters die Mittel nicht durch Aufnehmen von Lombarddarlehen,
 die in der Bilanz als Verschuldung zum Ausdruck kommen
würden, sonder sie bevorzugen die Rediskontierung von kurzen Wechseln
und die Beschaffung von Geldern durch Wechselpensionen, da dies
in der Passivseite der Bilanz nicht zum Ausdruck kommt.
Aus diesem Grunde ist die Gesamtsumme der Gelder, die die Börsenspekulation.
 erfordert, aus den Bankbilanzen nicht ersichtlich. Die zur
Veröffentlichung gelangenden Ziffern sind aber bereits sehr hoch, und
Aufgabe der Banken muß es sein, durch strengere Bedingungen hinsichtlich
 der Deckung und ev. auch durch etwas höhere Provisionssätze, der
ungesunden Spekulation entgegenzuwirken, insbesondere wenn Personen
in Frage kommen, die ihrem Berufe nach und infolge ihrer Unkenntnis
in kaufmännischen Dingen besser von Börsenspekulationen ferngehalten
werden sollten.
Solange der Spekulant die Effekten, die er kauft, bar bezahlt, ist eı
in seinen Entschlüssen unabhängig; er kann verkaufen, wenn es ihm paßt.
Nimmt er dagegen Bankkredit in Anspruch, so wird die Bank, wenn
der Einschuß nicht mehr hinreicht und der Kunde den Aufforderungen,
Nachschuß zu geben, nicht nachkommen kann, die Effekten „bestens“
verkaufen. Die Banken müssen dies natürlich tun, um sich selbst vor
Verlusten, die ihnen durch weitere Kursrückgänge erwachsen können, zu
schützen, Ein höherer Einschuß, d. h. eine geringere Beleihung der
Effekten durch die Banken, liegt daher vor allem auch im Interesse der
Kunden, die dann besser „durchhalten“ können.
Daß die Bankfirmen, wie Georg Wermert!) es darstellt, „durch
Scheingeschäfte, Strohmänner u. a. m. Kursschwankungen herbeiführen“,
dann das Publikum herausdrängen, den Einschuß „als gute Beute“ einheimsen,
 denn „der Kommissionär hält seine Ernte, da er die Papiere
zu niedrigen Kursen aufnimmt“ — entspricht, in dieser Verallgemeinerung
wenigstens, nicht den Tatsachen, und gegen Winkelbankiers kämpft ja
mit Recht auch die Interessenvertretung der Banken und Bankiers.
Fassen wir noch einmal zusammen: Die Banken stellen der Börsenspekulation
 Mittel zur Verfügung:
in laufender Rechnung gegen Hinterlegung von Wertpapieren, bezw. in-1)
 Über den Selbsteintritt im Kommissionsgeschäfte und seinen Einfluß auf die
Kurszettelwahrheit der Börse, in den Annalen des Deutschen Reichs 1908, S, 29.
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