zu machen, sei ihre Pflicht und ihr Recht begrenzt durch das Maß des
verfügbaren Kapitals, d. h. durch ihren Notenumlauf, bezw. die Notendeckung,
 d. h. Metall und Wechsel.
Bendixen‘!) hält sogar ein Gesetz wünschenswert, nach dem die Reichsbank
 nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet ist, Noten auszugeben
 nach Maßgabe „ihres“ Verkehrs, nicht nach Maßgabe „des“
Verkehrs und betont, daß „das Fehlen einer für angemessen gehaltenen
Golddeckung die Reichsbank nicht mehr berechtigen darf, die Kreditgewährung
 zu beschränken; sie wird solchenfalls die Notenemission aufrecht
 zu erhalten und sich nur vor dem Reichskanzler und der Öffentlichkeit
 wegen der Nichteinhaltung der Deckungsbestimmungen zu exkulpieren
 haben“,
Im Gegensatz hierzu fordert Plenge vom Reichsbank-Direktorium eine
ganz energische Krediteinschränkung und eine rigorosere Diskontpolitik,
Er macht der Reichsbank einen Vorwurf daraus, daß sie nicht immer erst
ein höheres Deckungsverhältnis abgewartet habe, bevor sie wieder für
längere Zeit einen niedrigeren Diskontsatz eintreten ließ.
Von anderen Seiten, insbesondere von der kritischen Handelspresse,
ist der Reichsbank demgegenüber wieder der Vorwurf gemacht worden,
sie halte den Diskontsatz unnötig hoch, während zu gleicher Zeit an der
Börse ein Geldüberfluß herrsche, der den Leihzinssatz, besonders für täglich
 kündbare Anlagen, bis auf ein Minimum herabgedrückt habe, und
Industrie und Handel unter dem hohen Zinssatz, den ihnen die Reichsbank
 aufbürde, stöhnen, und auch der Immobilienmarkt stark unter den
hohen Zinsen leide. Zeitweise ist ihr wieder der gegenteilige Vorwurf
gemacht worden?), Da die Reichsbank 48 mal im Jahre ihren Status veröffentlicht,
 so ist der Kritik ebenso oft Gelegenheit gegeben, ihr Urteil
und ihre Wünsche, die oft diametral auseinandergehen, zu äußern.

1) Bank-Archiv, XII, 16.
2) So schreibt die Frankfurter Zeitung vom 21, März 1913: „Wir haben
schon damals darauf hingewiesen, daß die Reichsbank sich und unserer Wirtschaft
keinen guten Dienst erwiesen hat, als sie angesichts der enormen Ansprüche in
den letzten Wochen 1912 ihren Diskont — von den Fehlern der Diskontpolitik
vor und bei Ausbruch des Balkankrieges ganz zu schweigen — von Mitte November
ab unverändert auf 6 %, gelassen hat, Sie wollte damit den Erwerbskreisen die
ohnehin schwierige Situation nicht noch weiter erschweren, wollte den Kreditbedarf
 vor der Geißel einer tatsächlich erdrückenden Zinsteuerung bewahren,
Aber sie hat damit eben Milde in einem Augenblick gezeigt, in dem unerbittliche
Härte die sehr viel bessere Medizin gewesen wäre , . .“

34 Obst, Bankpolitik.

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