gerade die Ersetzung der baren Zahlung durch Giro- und Scheckverkehr
und andere Bargeld sparende Methoden in hohem Maße mit dazu beigetragen,
 daß die Betriebsreserven so stark vermindert worden sind und
dann zeitweise mit so überaus hohen Summen auf die letzte Instanz,
die Reichsbank, zurückgegriffen werden muß, Vermehrung der Bankkonten
 und die Zunahme der Kassenführung durch die Banken hat zu
einer verminderten Kassenhaltung des einzelnen und einer verminderten
Vorsorge für die Terminzahlungen geführt. Jede Bank muß ihren Kunden —
und da die Banken selbst nur eine geringe Kasse halten, schließlich die
Reichsbank den anderen Banken — die Gelder zur Verfügung stellen, die
[rüher jede Einzelwirtschaft allmählich aufsparte und bis zur Verwendung
im Schreibtisch oder Portemonnaie liegen ließ.

2. Die Reichsbank als Hüterin der volkswirtschaftlichen Liquidität.
Der gesamte Geld- und Kreditverkehr eines Landes ruht schließlich
auf dem Golde. Mit dem Wachsen des Kreditgebäudes wird die metallene
Basis nur schmäler. Adolph Wagner (Bankenquete S. 87) vergleicht
Jiesen Vorgang mit einer abgestumpften Pyramide, die auf ihrer kleineren
 Seite steht, und wo die Entwickelung so vorgeht: die kleine Seite
wird immer schmaler und der Umfang der Pyramide immer größer. Die
Folge ist, „daß dieses riesige Ding ins Schwanken gerät. Das sind die
wirtschaftlichen Schwankungen, die wir erlebt haben, riesige Geldknappheiten,
 die eintreten.“ Hierzu bemerkt von Lumm): „Die Aufrichtung
dieses Kreditgebäudes erfordere einen gewissenhaften Baumeister, Für die
Volkswirtschaft müsse dies die Zentralnotenbank sein, die über allen
wirtschaftlichen Unternehmungen stehe und das Gesamtinteresse
les Landes zu vertreten habe.“
Havenstein hat das Kochsche Werk zielbewußt und mit Energie
fortgeführt und, weil er die Gefahr erkannt hat, in der sich die deutsche
Volkswirtschaft durch die neuzeitliche Entwickelung befindet, geht sein
Streben dahin, die Liquidität der Volkswirtschaft zu heben, die Reichsbank
mehr und mehr zur Hüterin der volkswirtschaftlichen Liquidität
zu machen. Es ist dies ein Wendepunkt in der Geschichte der
Deutschen Reichsbank, der einschneidende Eingriffe in den
Aufbau unseres Bankwesens und noch weit darüber hinaus zur
Folge haben wird.
Ehe die Reichsbank, die, wie auch Ströll sagt, „mehr und mehr

1) Diskontpolitik, Bank-Archiv XI, 12.

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