volkswirtschaftliche Zentralinstanz“ wird, an diese Aufgabe herantreten,
 d. h. sich zunächst mit den Großbanken, als den Hauptkreditgebern,
 verständigen, ihnen Anregungen geben und auf sie einwirken
konnte, mußte sie zunächst ihre eigene Leistungsfähigkeit erhöhen.
Die Reichsbank hat ihren Goldvorrat in erheblichem Maße verstärkt.
Zum großen Teil ist dies allerdings durch Vermehrung der kleinen Banknoten
 geschehen. Da diese erfahrungsgemäß sich erheblich länger als die
großen Noten im Verkehr halten, d. h. nicht zur Einlösung präsentiert
werden, schützen sie auch in kritischen Zeiten die Reichsbank vor
starken Goldabzügen. Ebenso hofft man, durch Verleihung des Zwangskurses
 für die Noten die Goldvorräte möglichst in der Bank zu konzentrieren.
 Eine weitere Stärkung ihres Goldvorrates ermöglichte die günstige
Gestaltung der deutschen Zahlungsbilanz und die nach dem Vorbilde der
Österreichisch-ungarischen Bank vorgenommenen Devisenpolitik, mit
der sie sich neben der herkömmlichen Diskontpolitik eine scharfe neue
Waffe geschaffen hat. Für Kriegszeiten und für kritische Augenblicke ist
ein neuer Kriegsschatz von je 120 Millionen M in Gold- und in Silbermünzen
 geschaffen worden, der der Reichsbank zur Verfügung steht. Die
Reichsbank ist weiter in der Auswahl der ihr zum Diskont eingereichten
Wechsel rigoroser vorgegangen, indem sie prinzipiell die Finanzwechsel
und in der Regel die Prolongationen zurückwies, Den Lombardverkehr
am Quartalsanfang hat sie durch Extraberechnung von 10 Tagen erheblich
 eingeschränkt,
Was unser Kreditwesen so außerordentlich illiquide macht, ist gerade
die immer wiederkehrende ungewöhnlich starke Inanspruchnahme der
Reichsbank an den Quartalsterminen. Die Kosten dieser Kreditbeschaffung
sind relativ gering, da die höheren Zinsen in der Regel nur auf wenige
Tage zu zahlen sind und keine Rolle spielen gegenüber den großen Vorteilen,
 die die Banken sich dadurch schaffen, daß sie im Vertrauen
auf die Hilfsbereitschaft der Reichsbank davon absehen, dauernd
große Barreserven zu halten, die totes, d. h. zinsfressendes Kapital darstellen.
 Die Banken lassen sich von privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten
leiten und sind daher bestrebt, alles verfügbare Kapital nutzbringend anzulegen,
 Nur eine dauernde Barreserve kann unser Kreditwesen gegen
alle Zufälligkeiten unerwarteter Inanspruchnahme bei politischen oder
wirtschaftlichen Krisen schützen 1).

1) Diskontpolitik, Bank-Archiv XI, 12.

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