Wirtschaftsleben durch ein großes Reformwerk Gesetze gibt“. Tatsächlich
handelt es sich nicht um eine „Gesetzgebung unter der Hand“, sondern
um Anregungen des Reichsbankpräsidenten. Wenn dieser Reformen
im Kreditwesen, die er im Interesse der Allgemeinheit für unbedingt
notwendig erachtet, ohne Härten durchführen will und dementsprechend
die Banken vorbereitet, so ist das doch ein äußerst loyales Verfahren.
Aber nicht nur aus gesetzlichen, sondern aus sachlichen Gründen,
meint Plenge, befinde sich die Reichsbank auf falschen Wege, Wenn
sie reorganisieren wolle, müsse sie bei sich selbst den Anfang machen.
Er fordert Entgoldung des Verkehrs, straffste Konzentration des Goldes
bei der Reichsbank und Umwandelung der deutschen Goldwährung in eine
Goldkernwährung, Die: nationale Geldverwaltung sei die Hauptfunktion
der Reichsbank, die nationale Kreditverwaltung liege am besten in anderen
Händen. Daher müsse die künftige Diskontpolitik der Reichsbank straffer
sein und eine Wiederholung der übermäßigen Kreditgewährung ausgeschlossen.
 bleiben. In Zeiten wirtschaftlicher und politischer Krisen müsse
die Reichsbank der letzte starke Hort für Staat und Volkswirtschaft sein,
und alle ihre Tätigkeit habe sich zukünftig unter diesem Gesichtspunkte
zu vollziehen. Zur Herrschaft über den Geldmarkt sei der Reichsbank
für die Dauer nicht berufen, diese Tätigkeit solle in gewissem Grade
den Großbanken zukommen.
Viele der Wünsche Plenges begegnen sich mit denen der Reichsbankleitung,
 und nur hinsichtlich der Ausführung gehen die Ansichten auseinander,
 Der Reichsbankpräsident hat als Realpolitiker auch nur das
denkbar Erreichbare vor Augen und will keine Brücke abreißen, ehe
nicht Ersatz geschaffen ist, Er strebt vorläufig nach einem Goldschatz
von ıll, Milliarde M, Plenge nach der doppelten Summe, Auf Grund
dieser soll dann, sagt Plenge, der Reichsbank gestattet sein, in Kriegsfalle
gmal so viel Noten, also 27 Milliarden M Noten auszugeben. Auch sonst
ist die temperamentvoll und teilweise sehr optimistisch geschriebene Arbeit
viel zu sehr auf den Kriegsfall, der doch glücklicherweise die Ausnahme
bildet, abgestimmt, und es ist zu wenig beachtet, daß auch in Friedenszeiten
 der Reichsbank wichtige Funktionen zugewiesen sind, die sie,
soweit die allgemeinen Verhältnisse es gestatten, in vortrefflicher Weise erfüllt
 hat. Wenn Plenge ein Zusammenarbeiten von Kreditbanken
und Zentralbank wünscht, so entspricht dies vollkommen den Wünschen
der Reichsbank, wobei natürlich zu beachten ist, daß die Aufgaben und
die Endziele der Reichsbank andere sind, als diejenigen der auf Erwerb

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